G wie Großkapital (POSITION #02/18)

Ausgabe 2/2018, POSITION – Magazin der SDAJ

Kapital ist Geld, das investiert wird, um mehr Geld einzubringen. Der Kapitalist kauft mit dem Geld Gebäude, Maschinen, Rohstoffe und Arbeitskräfte. Die Arbeitsprodukte verkauft er zu einem höheren Wert als den, den er vorgeschossen hat. Kapital existiert in Form von Geld, Fabrikanlagen, Lohnkosten und Waren. Sein Wert wächst nicht in der Zirkulation, sondern in der Produktion, da die Arbeiter mehr Wert erarbeiten als ihr Lebensunterhalt kostet. Sinn und Zweck kapitalistischer Produktion ist die Erzielung dieses Mehrwerts. Er wird zum Großteil wieder investiert, was zur Vergrößerung der Betriebe und Kapitalistenvermögen führt, zur Akkumulation (= Anhäufung) von Kapital. Je größer der Maßstab der Produktion, desto größer ist der absolute Mehrwert. Zugleich können neue Maschinen den für den Lebensunterhalt der Arbeiter nötigen Anteil der Arbeitszeit verringern und so den Mehrwert relativ steigern.

Der Monopolkapitalismus
Die Kapitalisten konkurrieren um einen möglichst hohen Anteil am gesellschaftlichen Mehrwert. Ihre Konkurrenz führt zur Konzentration und Zentralisation des Kapitals. Konzentration ist Akkumulation durch Vergrößerung von Produktion und Mehrwert. Zentralisation bedeutet, dass starke Kapitale sich schwächere einverleiben, etwa durch Aufkauf. „Ein Kapitalist schlägt viele tot,“ sagt Marx. Im Prozess der Konzentration und Zentralisation differenziert sich das Gesamtkapital in relativ wenige Großkapitale und die Masse der Mittel- und Kleinkapitale. Um 1900 schlug die Differenzierung in die neue Qualität des Monopolkapitalismus um, in dem wenige Großbetriebe eine produktions- und marktbeherrschende Stellung einnehmen. Industrie- und Bankkapital verschmelzen zum Finanzkapital, aus dem sich die Finanzoligarchie als herrschende Schicht rekrutiert, die mit der „politischen Klasse“ dicht vernetzt ist.

Die Folgen
Die Monopolbildung reagiert auf die Verschärfung des Widerspruchs zwischen Vergesellschaftung der Produktion und privater Aneignung. Die Vergesellschaftung erfordert gesamtgesellschaftliche Planung. Privatmonopole stärken Elemente von Planung, heben aber die Planlosigkeit der Gesellschaft insgesamt nicht auf. Konkurrenz, Ungleichmäßigkeit, Krisen, soziale Polarisierung und Demokratieabbau nehmen zu. In Deutschland waren 2015 von den 3,4 Millionen Unternehmen nur 0,44 Prozent (ca. 15000) Großunternehmen, die zwei Drittel aller Umsätze tätigten. Ihre Entscheidungen prägen die Arbeit und das Leben der Lohnabhängigen. Auch die 99,56 Prozent Klein- und Mittelbetriebe sind davon abhängig. Hochkonzentriert sind Vermögen und Reichtum: Dem reichsten 1 Prozent gehören 33 Prozent des Vermögens, den oberen 10 Prozent 60 Prozent, der unteren Hälfte der Bevölkerung nur 2,5 Prozent.

[Beate Landefeld]
…Beate Landefeld ist gelernte Hotelfachfrau, hat Literaturwissenschaft und Soziologie studiert und ist Mitautorin des Buchs „Staatsmonopolistischer Kapitalismus“ (Köln 2014).

Dieser Artikel erschien in
POSITION #2/2018
Im Archiv ansehen »
IDxpZnJhbWUgd2lkdGg9IjU2MCIgaGVpZ2h0PSIzMTUiIHNyYz0iaHR0cHM6Ly93d3cueW91dHViZS1ub2Nvb2tpZS5jb20vZW1iZWQvTk1IOGJwbDQ3V0kiIGZyYW1lYm9yZGVyPSIwIiBhbGxvdz0iYWNjZWxlcm9tZXRlcjsgYXV0b3BsYXk7IGVuY3J5cHRlZC1tZWRpYTsgZ3lyb3Njb3BlOyBwaWN0dXJlLWluLXBpY3R1cmUiIGFsbG93ZnVsbHNjcmVlbj48L2lmcmFtZT4=
SDAJ Aachen
SDAJ Augsburg
SDAJ Berlin
SDAJ Bochum
SDAJ Dortmund
SDAJ Dresden
SDAJ Düsseldorf
SDAJ Essen
SDAJ Frankfurt
SDAJ Gießen
SDAJ Göttingen
SDAJ Hamburg
SDAJ Hannover
SDAJ Kassel
SDAJ Kiel
SDAJ Köln
SDAJ Leipzig
SDAJ Lübeck Süd/Ost-Holstein
SDAJ Mainz
SDAJ Mannheim
SDAJ Marburg
SDAJ München
SDAJ Neumarkt
SDAJ Nürnberg
SDAJ Oldenburg-Bremen
SDAJ Osnabrück
SDAJ Ostwestfalen-Lippe
SDAJ Rostock
SDAJ Schwerin
SDAJ Siegen
SDAJ Solingen
SDAJ Stuttgart
SDAJ Trier
SDAJ Tübingen
SDAJ Ulm
SDAJ Witten
SDAJ Würzburg

POSITION #5/2019

mehr zum Thema

Das Ass im Ärmel der Automobilindustrie (POSITION #05/19)

Das Ass im Ärmel der Automobilindustrie (POSITION #05/19)

Bis 2022 sollen eine Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sein, so das erklärte Ziel der Bundesregierung und damit deren Lösung der Klimakrise. Auf dem ersten Blick scheint dieses Vorhaben ja auch nicht schlecht zu sein, immerhin sind E-Autos leise...

Wir streiken, wenn uns keine Beachtung geschenkt wird (POSITION #05/19)

Wir streiken, wenn uns keine Beachtung geschenkt wird (POSITION #05/19)

Widerstand gegen katastrophale Zustände an Augsburger Schule Die Fachoberschule in Augsburg ist einer der größten Schulen in ganz Schwaben. Das Gebäude betreten jeden Tag um die 2000 Menschen aller Altersstufen. Dennoch ist die Schule ziemlich schlecht aufgestellt....

Marxistischer Spickzettel (POSITION #05/19)

Marxistischer Spickzettel (POSITION #05/19)

Die sogenannte „Soziale Marktwirtschaft“ Ob im SoWi-, Wirtschafts-, oder Politikunterricht: Immer wieder läuft uns der Begriff der „Sozialen Marktwirtschaft“ über den Weg. Voller Begeisterung erzählen uns die Bücher in der Schule genau wiedie Wirtschaftsexperten im...

Likes & Dislikes (POSITION #05/19)

Likes & Dislikes (POSITION #05/19)

Guten Morgen, Du Schöne  „Wir können uns eigentlich nicht wundern, dass in der sozialistischen Gesellschaft Konflikte ans Licht kommen, die jahrzehntelang im Dunkeln schmorten und Menschenleben vergifteten. Konflikte werden uns erst bewusst, wenn wir uns leisten...

Wessen Welt? (POSITION #05/19)

Wessen Welt? (POSITION #05/19)

Erneuter Terroranschlag von Faschisten In Halle gab es den nächsten Terroranschlag von Rechtsextremen. Natürlich waren alles Einzeltäter. Natürlich gab es auch vorher keine Anzeichen, sodass man dieses schreckliche Attentat nicht verhindern konnte. Der...

Lass uns über’s Ficken reden! (POSITION #05/19)

Lass uns über’s Ficken reden! (POSITION #05/19)

Kommentar: Arbeitsbedingungen und sexuelle Unlust Ausbeutung belastet auch das Sexualleben Wenn es um sexuelle Unlust, also das fehlende Verlangen bzw. Bedürfnis nach körperlichem Kontakt geht, müssen zunächst einige Dinge klargestellt werden. So gibt es bspw. eine...