Diesel-Gate

veröffentlicht am: 31 Okt, 2017

Ein Skandal zur rechten Zeit

„Kaufen Sie jetzt ihren neuen Renault mit 3000 Euro Umweltprämie“, „Den neuen BMW mit Null-Prozent-Finanzierung und Umweltprämie“…. Umweltprämie erinnert ganz schön an die sogenannte „Abwrackprämie“ von 2008/2009. Um die Wirtschaft nach der Finanzkrise anzukurbeln, zahlte der Staat damals 2.500 Euro Prämie für die Verschrottung alter Autos und den Kauf von Neuwagen. Aber was hat das mit dem Diesel-Skandal, Volkswagen und der Umweltprämie zu tun?

Gehen wir nochmal ein paar Jahre zurück: Nachdem im Herbst 2015 herauskam, dass Volkswagen die Software in ihren Dieselautos gefälscht hatte und viel mehr schädliche Stoffe ausgestoßen wurden als während der Tests im Labor, war die Empörung groß. Schuld wurde hin und her geschoben, ein paar wenige Manager verantwortlich gemacht und dem Diesel das Image „gesundheitsschädlich“ aufgedrückt (wodurch Benziner plötzlich „gesund“ wurden). Nach und nach kam heraus, dass so ziemlich alle Automobilhersteller aus Deutschland ähnliche Fälschungen durchgeführt hatten und nicht nur Volkswagen seine Käuferinnen und Käufer verarscht hatte.

Imageschaden und Fahrverbote

Der Staat mitsamt seinen Verflechtungen in die Automobilindustrie kochte das Thema runter. Erst als der deutsche Naturschutzbund begann Fahrverbote gerichtlich zu prüfen, kam es zum sogenannten Dieselgipfel, an dem sich auch die Bundeskanzlerin beteiligte. Fahrverbote für alte Diesel in den Innenstädten von Stuttgart, Aachen und Düsseldorf – dazu soll es bloß nicht kommen! Das kann man den Freundinnen und Freunden in der Automobilindustrie nicht zumuten.

Würde der Abschied vom Diesel und Fahrverbote der deutschen Wirtschaft denn so schaden, wie Industrie und Politik behaupten? Würde er, wenn es keinen Ersatz gäbe. Aber der Ersatz steht schon in der Startlöchern und heißt E-Mobilität. In den USA und China wird die Produktion von Elektroautos immer weiter vorangetrieben. Der Autobauer TESLA macht den Big Three (Ford, General Motors und Chrysler) mit seinen E-Autos Konkurrenz und durch eine immer angespanntere Weltlage wird es immer notwendiger, sich auch nach anderen Energieversorgern, abseits von Benzin und Diesel, umzusehen.

Bahn frei für die E-Mobilität

Trotz Diskussionen um Digitalisierung und Elektromobilität liegt die deutsche Automobilindustrie in diesen Fragen und der Entwicklung selbiger im Vergleich noch relativ weit hinten. Es ist unumstritten, dass die Wende zur E-Mobilität kommen wird, da sind sich alle einig. Unklar ist nur noch wie schnell und wann. Opel, Mercedes und BMW bauen bereits serienmäßig E-Autos, Volkswagen kündigt an ab 2020 seinen Bulli nur noch als E-Auto zu produzieren. Mit den neuen Autos wird es auch zu infrastrukturellen Veränderungen kommen: Aufladestationen für die Fahrzeuge werden flächendeckend gebraucht und die Produktion von Akkus und Batterien wird einen neuen Stellenwert bekommen.

Für die deutschen Hersteller kommt der Dieselskandal somit gar nicht so ungelegen. Der „Imageschaden“, drohende Fahrverbote und eine allgemeine Skepsis gegenüber Dieselfahrzeugen lassen Kunden zweimal darüber nachdenken, ob sie sich nicht direkt für ein Elektroauto entscheiden sollen. Und für diejenigen, die immer noch zweifeln, springt – wie schon 2008/2009 – der Staat ein und zahlt bis zu 6.000 Euro „Umweltprämie“: „Durch die Förderung wird die schnelle Verbreitung elektrisch betriebener Fahrzeuge im Markt unterstützt“ (Bundesministerium für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle).

Julia, Bochum

SDAJ Aachen
SDAJ Augsburg
SDAJ Barsbüttel
SDAJ Berlin
SDAJ Bochum
SDAJ Bonn
SDAJ Bremen-Oldenburg
SDAJ Cottbus
SDAJ Dresden
SDAJ Düsseldorf
SDAJ Essen
SDAJ Frankfurt
SDAJ Göttingen
SDAJ Hamburg
SDAJ Hannover
SDAJ Kassel
SDAJ Kiel
SDAJ Köln
SDAJ Landau
SDAJ Leipzig
SDAJ Limburg-Weilburg
SDAJ Lübeck Süd/Ost-Holstein
SDAJ Mainz
SDAJ Mannheim
SDAJ Marburg
SDAJ München
SDAJ Neumarkt
SDAJ Neuss
SDAJ Nürnberg
SDAJ Osnabrück
SDAJ Ostwestfalen-Lippe
SDAJ Rostock
SDAJ Schwerin
SDAJ Siegen
SDAJ Solingen
SDAJ Stuttgart
SDAJ Trier
SDAJ Tübingen
SDAJ Ulm
SDAJ Witten
SDAJ Würzburg

POSITION #5/2019

mehr zum Thema

Krisenzeiten in Israel und Palästina

Krisenzeiten in Israel und Palästina

Wahlen, Corona und Besatzung Am 20. April einigten sich der bisherige israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Oppositionsführer Benny Gantz letztendlich darauf eine gemeinsame Einheitsregierung zu bilden. Dem vorausgegangen war über ein Jahr politisches...

mehr lesen
Ideenreiche Formen des Widerstands

Ideenreiche Formen des Widerstands

Der Kampftag der Arbeiterklasse wurde auch dieses Jahr auf die Straße getragen POSITION: Der DGB hat sich für einen Online-Livestream am 1.Mai entschieden. Was hat dich und viele andere GewerkschafterInnen dazu veranlasst, doch auf die Straße zu gehen. Hattet ihr...

mehr lesen
#Coronoliday? Nix da!

#Coronoliday? Nix da!

Gute Lernbedingungen-Eine Frage des Geldbeutels Nur weil SchülerInnen aufgrund der Corona-Pandemie nicht physisch in der Schule anwesend sein konnten, hieß das noch lange nicht, dass sie Ferien hatten – im Gegenteil, die Osterferien schienen in einigen Städten...

mehr lesen