Faschismus: Wer, was, für wen? (POSITION #06/16)

veröffentlicht am: 20 Dez, 2016

Aus der Mode gekommen?
Schaut man in Schulbücher oder Zeitungen, so wird man den Begriff „Faschismus“ meist vergeblich suchen. Heute wird von Rechtspopulisten, Rechtskonservativen, Rechtsradikalen und Rechtsextremen gesprochen. Geht es um den deutschen Faschismus von 1933 bis ’45, ist die Rede vom „Nationalsozialismus“. Die Selbstbezeichnung der Faschisten, mit der sie sich bei Arbeitern beliebt machen wollten, wird also einfach übernommen. Die Vokabel Faschismus scheint jedenfalls aus dem Wortschatz bürgerlicher Politiker, Journalisten und Schulbücher gestrichen. Warum ist das so?
Unzählige bürgerliche Versuche die Ursachen des deutschen Faschismus zu erklären, betonen dessen einmalige, historische Erscheinung. Sie fragen danach, welche Bedingungen den Faschismus begünstigt haben und landen nicht selten bei der absurden Idee, die Massenwirksamkeit der Nazis aus einem angeblich charismatischen Hitler zu erklären. Sie stellen eben nicht die Frage, wer real ein Interesse an der Einrichtung einer faschistischen Diktatur hatte.

Wer vom Faschismus spricht…
Die Geschichte hat gezeigt, dass der Faschismus systematisch mit der kapitalistischen Gesellschaft zusammenhängt. Er ist eine besonders aggressive Herrschaftsform des Kapitalismus. Dabei unterscheiden Kommunisten zwischen dem Faschismus an der Macht und faschistischen Bewegungen. Eine faschistische Diktatur wird von einem Teil der besonders reaktionären Großkonzerne angestrebt, wenn sich die Erwirtschaftung von Profiten nicht länger unter bürgerlich-demokratischen Bedingungen sicherstellen lässt.
Der Blick in die deutsche Geschichte zeigt die enge Verstrickung von Großunternehmern mit der faschistischen Partei. Militaristen und Industrielle, wie Borsig, Thyssen und Stinnes haben die Nazi-Partei NSDAP schon früh als förderungswürdige Organisation betrachtet. Und Hitler versicherte vor mehreren hundert Unternehmern, dass seine Partei das Ziel habe die Gewerkschaften und den Marxismus in Deutschland bis zur letzten Wurzel auszurotten. Dabei ging es darum, den Klassenkampf zu verhindern, der von den Arbeitern mit Hilfe der Gewerkschaften im Betrieb und auf der Straße aktiv ausgefochten wurde.
Das politische Programm der NSDAP zeigt zudem, dass mit der Zerschlagung der Gewerkschaften, dem Streichen von Arbeiterrechten, der Expansionspolitik, der Kriegsproduktion auf Staatskosten, dem systematischem Antikommunismus usw. der Zweck der faschistischen Diktatur darin bestand, den deutschen Markt zur überlegenen Macht zu entwickeln, die Profite der großen Konzerne zu sichern und zu steigern und die Konkurrenten auf dem Weltmarkt auszuschalten.

Was bedeutet das für uns heute?
Auch wenn die Übertragung der Macht an Faschisten zur Zeit nicht droht, können wir auch heute einen deutlichen Rechtsruck wahrnehmen. Mit einfachen Losungen bieten faschistische Parteien scheinbare Alternativen für die zunehmende Armut und Unsicherheit vieler Menschen. Statt die tatsächliche Ursache von Armut, das Profitstreben des Kapitals, zu benennen, machen sie Muslime und Zuwanderer verantwortlich. Objektiv nützt ihre Propaganda schon heute kapitalistischen Interessen, indem sie Arbeiter spaltet und damit deren gemeinsamen Kampf für ihre Interessen verhindert. Unsere Aufgabe besteht darin, klar zu machen welche Interessen sich hinter den Losungen der Faschisten verstecken und den Zusammenhang zur kapitalistischen Wirtschaftsweise aufzuzeigen. Das funktioniert am besten, indem wir aktiv werden und den Kampf um unsere Interessen und gegen die Bosse selbst in die Hand nehmen.

Max, Berlin

Dieser Artikel erschien in
POSITION #6/2016
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