Krieg auf Schienen (POSITION #05/16)

veröffentlicht am: 20 Okt, 2016

Die Deutsche Bahn und ihr Geschäft mit dem Krieg

Wir alle kennen die Deutsche Bahn: Volle Züge, Verspätungen, defekte Klimaanlagen im Sommer, kaputte Heizungen im Winter. Es gibt hunderte Dinge, an denen sich feststellen lässt, dass bei der Bahn so einiges schief läuft. Doch anstatt sich diesen Problemen anzunehmen, soll das Unternehmen nun „wirtschaftlich“ werden. Das steht der Idee entgegen, mit einem Eisenbahnunternehmen nicht Profite sondern Nutzen für die Gesellschaft zu schöpfen. Sollte Bahnfahren nicht jeder und jedem zur Verfügung stehen und dabei am besten noch kostenlos sein? Stattdessen nun also noch „wirtschaftlicher“ werden, also noch mehr Schaden anrichten. Denn das bedeutet das Unternehmen profitabel umzubauen und dafür den Abbau von Infrastruktur, Rationalisierung beim Personal und sinkende Ausbildungszahlen in Kauf zu nehmen.

Mit vielen hundert Tochterunternehmen ist die Deutsche Bahn ein Riesengebilde. Unter den Tochterunternehmen erscheinen einige nicht rentabel und andere dafür um so attraktiver. Rentable Projekte und attraktive Kunden finden sich für die DB vor allem im Bereich des Militärs und der damit verbundenen Staaten. Dass die Bahn bereit wäre in Krieg zu investieren, scheint nur auf den ersten Blick verwunderlich. Denn solange ein Unternehmen Profite macht, spielt es für sie keine Rolle, ob damit der Tod von tausenden Menschen in Kauf genommen wird.

Arabische Infrastruktur

Zu diesen attraktiven Geschäftsfeldern im Bahnkonzern zählt z.B. die DB Engineering & Consulting. Diese Bahntochter, die aus den ehemaligen Firmen DB International und DB Projektbau hervorgeht, hat seit 2009 ein Mega-Projekt am laufen: Ein neuen Bahn-Netz für Katar. Hunderte Kilometer Bahnnetz werden durch das Emirat auf der arabischen Halbinsel aufgebaut. Neben Güterverkehrsstrecken soll es Hochgeschwindigkeitslinien und Metroverbindungen geben. Abgerundet wird das ganze Bahn-Paket mit einer Zugverbindung ins Nachbarland Saudi-Arabien. Für das Mega-Projekt beträgt das Investitionsvolumen 17 Mrd. Euro und bei der Deutschen Bahn erwartet man abschließend Profite in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro.

Und so wird kooperiert und zusammengearbeitet an der Katar-Bahn; und so fließen täglich staatliche Gelder aus Deutschland nach Katar und Saudi-Arabien. Damit deutsche Großkonzerne wie die DB sich dumm und dämlich verdienen können, bedienen sie sich dann auch gerne der fatalen Arbeitsbedingungen auf der arabischen Halbinsel. Denn in den Ländern Katar und Saudi-Arabien muss die DB keine Angst vor Gewerkschaften oder Arbeiterrechten haben. Dort herrscht absolute Monarchie und Scharia. Und während die DB Gelder in das Mega-Projekt steckt und somit die staatliche Infrastruktur dieser absolutistischen Golfstaaten ausbaut, stecken diese beide Staaten zeitgleich am meisten Geld in die Terrororganisation IS, den sogenannten Islamischen Staat.

Im Dienste der NATO

Aber nicht nur über Katar unterstützt die DB den Krieg z.B. im Nahen Osten. Die DB FuhrparkService GmbH ist zu 24,9% Eigentümerin der BwFuhrparkService GmbH. Zwei FuhrparkService-Unternehmen mit dem fast gleichen Namen? Der Unterschied liegt zwischen DB und Bw: Letzteres ist der Mobilitätsdienstleister der Bundeswehr im In- und Ausland. Das Unternehmen ist dafür zuständig der Bundeswehr, aber auch anderer NATO-Staaten, Militärfahrzeuge zur Verfügung zu stellen. Außerdem werden Konzepte entwickelt, um Flotten effektiver zum Einsatz zu bringen sowie zur Sicherstellung einer möglichst hohen Auslastung der NATO-Fahrzeugflotten. Aufgabe der BwFuhrparkService GmbH ist es somit Krieg wirtschaftlicher zu machen.

Doch die Deutsche Bahn wäre kein internationales Logistikunternehmen wenn hier schon Schluss wäre. Also sehen wir uns das Ganze doch etwas genauer an. Das verantwortliche Unternehmen für den Güterverkehr auf der Schiene ist die DB Cargo AG. Diese realisiert, früher noch unter dem Namen DB Schenker AG, Militärtransporte durch Deutschland. Zumeist handelt es sich dabei um Transporte für die Bundeswehr.

Wichtiger Teil der Kriegslogistik

Besonders seit 2014 sind diese Militärtransporte sprunghaft mehr geworden. Denn seit dem Krieg in der Ukraine ist es für DB-Mitarbeiter im betrieblichen Bereich kaum unüblich zu sehen, wie Panzer über die Schienen rollen. Besonders häufig rollen diese dann Richtung Norden nach Kiel. Die Hafenstadt hat sich seit dem bewaffneten Konflikt in der Ukraine zum Drehkreuz für US-Militärfahrzeuge etabliert. Vor allem im Jahr 2015 fanden häufig Militärtransporte von Kiel in Richtung Baltikum statt. Die DB Cargo AG ist also ein wichtiger Teil für die NATO-Manöver im Baltikum und für den Krieg in der Ukraine.

Doch nicht nur DB Cargo realisiert Militärtransporte. Das Infrastrukturunternehmen DB Netz AG ist ebenso verantwortlich für die Umsetzung. Denn die Fahrdienstleiter der DB Netz AG geben den Lokführern von DB Cargo die Zustimmung zur Fahrt und sollen so nach Möglichkeit die Pünktlichkeit der Zugfahrten sicher stellen. Nun ja, soweit so gut, das sind dann halt Zugfahrten wie alle anderen – könnte man meinen. Doch die DB Netz AG behandelt einige Zugfahrten mit einer höheren Priorität als andere. Darunter fallen sehr häufig auch die Transporte von Panzern und Kriegsgerät. Denn die Bahn ist zwar üblicherweise nicht pünktlich, doch sie stellt sicher, dass die Militärtransporte ohne Verspätungen ihr Ziel erreichen.

Deutsche Bahn outen!

Es liegt nahe, dass einige Lokführer und Fahrdienstleiter bei der Ausführung der Kriegstransporte ein schlechtes Gewissen bekommen könnten. Doch ob ich mich als DB-Mitarbeiter an den Kriegstreibereien der Deutschen Bahn beteiligen möchte oder nicht, wird nicht gefragt. Denn DB FuhrparkService GmbH, DB Cargo und DB Netz wollen ihrer entscheidenden logistischen Rolle zur Versorgung der NATO-Truppen im Baltikum nachkommen. Und dafür werden die Mitarbeiter eben zum kleinen Rädchen in der Kriegslogistik.

Es obliegt dem politischen Kampf aufzuzeigen, dass die Deutsche Bahn einen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen sollte: Güter- und Personenverkehr zu gewährleisten. Profitorientierung und Kriegstreiberei gehören nicht dazu. Sie dienen nur den Herrschenden. Die arbeitenden Menschen in den Golfstaaten, im Baltikum und auch hier, uns allen sind sie ein Dorn im Auge.

 

Jek, Berlin

Dieser Artikel erschien in
POSITION #5/2016
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