Ausbildung statt Auslandseinsatz (POSITION #02/16)

veröffentlicht am: 30 Mrz, 2016

Wie die Bundeswehr versucht den Ausbildungsplatzmangel auszunutzen. Unsere Autorin Nicky ist auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz – aber einem zivilen.

„Nach Angaben der DGB-Jugend erhält rund jeder Dritte Bewerber keinen Ausbildungsplatz. 1,5 Millionen junge Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren sind ohne Berufsausbildung. Offene Stellen gibt es eigentlich nur in den Bereichen, die die beschissensten Ausbildungsbedingungen und geringsten Vergütungen haben: in der Gastronomie, im Fleischerei- und im Bäckereigewerbe. Auch ich habe mich auf die Suche begeben, und wie für viele andere war das Ankommen auf dem Boden der Tatsachen ein harter Aufschlag in Form von Ablehnungen.

Doch ein Ausbilder ist zur Zeit auf Werbetafeln in deutschen Städten omnipräsent. Mit einer medialen Offensive, vor der es kein Verstecken gibt, wird für eine glänzende Karriere und eine gute Ausbildung geworben. Als Betrachter wird man aufgefordert, das zu machen, was wirklich zählt. Die Rede ist von der Bundeswehr. Da heißt es dann, dass man „hier für seine Patienten, nicht für den Profit kämpft“ oder was man in 7 Monaten alles für’s Leben lernen kann. In Zeiten von Leiharbeit und befristeten Arbeitsverträgen mögen Verträge über 17 Jahre verlockend erscheinen, aber was ist der Preis? Ein Drittel aller BundeswehrsoldatInnen haben schon tote oder schwerverletzte Kameraden gesehen, 30% Leichen oder Leichenteile und 36% aller BundeswehrsoldatInnen wurden selber schon durch Artillerie beschossen. Dies führt nicht selten zu posttraumatischen Belastungsstörungen, wenn man nicht sogar selbst verletzt oder getötet wird. Jede zweite Soldatin wurde im Dienst schon sexuell belästigt. Auf all das kann ich gut verzichten.

Alles was man bei der Bundeswehr lernt, dient direkt oder indirekt der Militarisierung, der Kriegsvorbereitung oder Kriegsführung. Dazu gehört auch der Kadavergehorsam, der auch den letzten Funken selbständigen Denkens unterbinden soll. Das ist wichtig für die Bundeswehr. Denn das menschliche Kanonenfutter muss das Märchen vom Krieg für Frauenbefreiung, Brunnenbau und Menschenrechte schon glauben. Da ist kritisches Denken nicht so angesagt. Was wirklich zählt, ist der Profit der deutschen Banken und Konzerne. Für die sichert die Bundeswehr regelmäßig die Handelsrouten, die Absatzmärkte und den ungehinderten Zugang zu Rohstoffen. Darum geht es bei den Kriegseinsätzen von Syrien bis Afghanistan. Und dafür soll ich mein Leben riskieren?!

Nein danke, lieber suche ich weiter einen zivilen Ausbildungsplatz als einen todsicheren Job bei der Bundeswehr. Dafür braucht es aber viel mehr betriebliche Ausbildungsplätze, mit einer Vergütung von der man leben kann und eine garantierte Übernahme, damit man auch danach noch eine Perspektive hat. 350.000 dieser Ausbildungsplätze fehlen jedes Jahr – auch das hat die DGB-Jugend berechnet. Dafür würde ich auch nicht sterben, aber dafür lohnt es sich zu kämpfen!“

Dieser Artikel erschien in
POSITION #2/2016
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