Olympia – Nix da! (POSITION #01/16)

veröffentlicht am: 23 Jan, 2016

Die Spiele in Hamburg wurden verhindert, doch der Kampf geht weiter

Die Hamburger haben per Votum bewirkt, dass sich ihre Stadt nicht für die Austragung der Olympischen Spiele bewirbt. Allein die langen Gesichter derer, die meinen in der Stadt das Sagen zu haben waren es wert. Oberbürgermeister Scholz, Sportsenator Neumann und der Präsident des deutschen Olympischen Sportbundes Hörmann grummelten etwas davon, dass sie das Ergebnis anerkennen, obgleich sie es nicht teilen. Sie wollten sich für die gigantische Umverteilung des Stadtsäckels per Megaprojekt Olympische Spiele gerne die Legitimation per Stimmabgabe ergattern. Eine Milliardenschwere Kampagne ließ dafür jeden Bus, jede U- und S-Bahn, jedes Sportcenter und jede Behörde mit dem Slogan erstrahlen: „Feuer und Flamme für Olympia“. Das Geld kam von Sponsoren, kam aber eben auch in Millionenhöhe vom Land, also Hamburg. Die Steuerzahler sollten also mit ihrem eigenen Geld dazu gebracht werden, dafür abzustimmen mehr eigenes Geld auszugeben. „Demokratie“ als die Arroganz der Herrschenden.
Der Präsident des Hamburger Sportbundes attestiert denen, die Olympia in Hamburg abgelehnt haben „Irrationalität“. Ein anderer geht weiter: „ein Rückschlag für die Zukunftsgewandheit unserer Stadt“, lässt sich Hans-Jörg Schmidt-Trens der Hauptgeschäftsführer der Hamburger Handelskammer vernehmen. „Jetzt müssen wir versuchen, soviel wie möglich davon auch ohne Olympia umzusetzen“, Umwelt- und Energiesenator Jens Kerstan (Grüne) lässt sich bei Facebook über den geplanten Umbau des Hafenstadtteils Hamburg-Kleiner Grasbrook aus und zeigt, was sie vorhaben. Die HamburgerInnen haben sich gegen das Großevent gestellt. Flüchtlingsunterbringungen und der Kampf gegen die rassistische Welle, für mehr bezahlbaren Wohnraum und gegen die Mietensteigerungen, all das schien den HamburgerInnen drängender als das nächste Megaprojekt. Die Großkonzerne sind daran gescheitert auf breiter Front die Bevölkerung hinter sich zu bringen, sie wollen diese Front nun vereinzeln und werden, wie Scholz es vorgemacht hat, das vereinende Projekt Olympia stillschweigend beerdigen. Nun sollen alle bösartigen kleinen Schritte der Verdrängung und Aufwertung, der Mietensteigerungen und der weiteren Umverteilung des Stadtsäckels an die Banken und Konzerne einzeln durchgesetzt werden. Die Auseinandersetzung verlagert sich.
Nun heißt es kämpfen, und vor allem in die Breite gehen. Jeder Sportverein, der sich gerade noch aus Sportbegeisterung hinreißen ließ, muss nun am eigenen heruntergekommenen Rasen gepackt werden, jede Gewerkschaftsgruppe, die sich bisher passiv verhielt, muss aktiviert werden: Sonderlohnregelungen sind seit einiger Zeit die neue Idee der Herrschenden. Olympia hätte das nur beschleunigt. Jeder Stadtteil, der vor der Aufwertung steht, muss durch die Aktivität der AnwohnerInnen verteidigt werden. „Etwas Besseres als Olympia“ wäre der Kampf um die eigenen Rechte.

Kurt, Hamburg

Dieser Artikel erschien in
POSITION #1/2016
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