ABC des Kapitalismus – Teil 5

Kapitalismus bedeutet Krieg
Am 1. September 2014 – exakt 75 Jahre nach dem Überfall Deutschlands auf Polen – beschloss die Bundesregierung Waffenlieferungen an kurdische Peschmerga, die gegen die zuvor hochgerüsteten Truppen des „Islamischen Staates“ kämpfen sollen. In der Ukraine wird währenddessen durch die auch von der BRD unterstützte ukrainischen Regierung weiter die Zivilbevölkerung im Osten des Landes bombardiert und bekämpft.
Doch wie kommt es, dass seit Beginn der kapitalistischen Krise 2007/2008 immer mehr Regionen zu Krisengebieten werden, und was hat das mit Kapitalismus zu tun?
Krieg, das ist die Fortführung der Politik mittels organisierter bewaffneter Gewalt. Die Politik, die der Staat macht, hat die Funktion des „ideelen Gesamtkapitalisten“ (K. Marx). Er – der Staat – vertritt also die Interessen der Kapitalistenklasse als Ganzes, sowohl gegen uns – die Arbeiterklasse – als auch gegen einzelne Kapitalisten, die aus dem Ruder laufen. Im monopolkapitalistischen Stadium (in Deutschland ungefähr seit dem Beginn des 1. Weltkrieges 1914) wird der Staat mehr und mehr Vertreter einzelner Monopole oder Monopolgruppen gegenüber den nicht-monopolistischen Teilen der Bourgeoisie. Des weiteren bricht selbst zwischen den Monopolen ein Kampf um den größeren Einfluss im Staat aus.
Auf Grund der Entwicklung der Produktivkräfte ist dabei nicht mehr der Export (die Ausfuhr) von Waren wesentlich, sondern der Export ganzer Fabriken, Werke oder Minen. Also werden Werte ausgebracht, die neuen Wert hervorbringen sollen. Das ist Kapital. Zum Kapitalexport braucht man jedoch auch gewisse Einflusssphären.

Gleichzeitig ist aber die Welt aufgeteilt: Doch diese Aufteilung ist nicht in Stein gemeißelt. Denn durch die gesetzmäßige ungleiche ökonomische Entwicklung drängt es die erstarkenden Bourgeoisien, der imperialistischen Staaten die bisher „zu kurz gekommen“ sind, zur Neuaufteilung der Welt gemäß der neuen Kräfteverhältnisse. Und das „genaueste Maß“ im Kräftemessen ist die direkte militärische Konfrontation.
Diese zwischen-imperialistischen Widersprüche brechen gerade in Zeiten der Wirtschaftskrisen am deutlichsten hervor. Die Überakkumulation von Kapital, also die Anhäufung von Kapital, für welches die Verwertungsmöglichkeit fehlt, hat einen Grad erreicht an dem die „normalen“ Maßnahmen der Politik nicht mehr ausreichen. Der Kapitalexport alleine schwächt die Überakkumulation nicht mehr genug ab. Um diese abzubauen wird es nun notwendig Kapital zu vernichten oder Verwertungsmöglichkeiten Anderen „abzujagen“. Die einfachste und sicherste Methode hierfür ist immer die kriegerische Auseinandersetzung. Denn für den Imperialismus bietet sie gute Möglichkeiten: Der Krieg und die damit einhergehende Zerstörung, der Gebrauch von Waffen und Munition vernichtet unheimlich viel Kapital. Zudem werden neue Märkte erobert und Rohstoffe gesichert. Das dabei tausende Menschen sterben, obdachlos werden und fliehen müssen, ist dem Imperialismus völlig egal. Es gibt nichts was nach kapitalistischer Logik tabu wäre, wenn es darum geht den Profit zu retten. Denn den Profit sicher bedeutet, den Kapitalismus als Herrschaftsform an sich sichern. So wird der Krieg letztlich zum Zweck der Selbsterhaltung geführt. Kapitalismus bedeutet Krieg. Immer. Überall. Wer Frieden will, muss für eine andere Gesellschaftsform eintreten.