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	<title>Ausgabe 3/2020 Archive - SDAJ</title>
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	<title>Ausgabe 3/2020 Archive - SDAJ</title>
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		<title>Klassenkampf übers Handelsregister</title>
		<link>https://www.sdaj.org/2020/09/14/klassenkampf-uebers-handelsregister-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Sep 2020 10:10:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 3/2020]]></category>
		<category><![CDATA[Betrieb und Gewerkschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die rechtliche Spaltung der Arbeiterklasse schreitet voran Seit im Zuge der Corona-Pandemie plötzlich die menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen osteuropäischer ArbeiterInnen in der Fleischindustrie ein öffentliches Thema wurden, sind Werkverträge in aller Munde. Unabhängig davon, dass miese Wohn-, Lebens- und Arbeitsverhältnisse kein Alleinstellungsmerkmal von „Fremdbeschäftigten“ sind, sondern „Stammbeschäftigte“ genauso betreffen können (und allzu häufig auch betrifft), [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h6><span style="font-family: Arial, serif"><i>Die rechtliche Spaltung der Arbeiterklasse schreitet voran</i></span></h6>
<p align="justify"><span style="color: #000000"><span style="font-family: Gill Sans MT, serif"><span style="font-size: small"><span style="font-family: Arial, serif">Seit im Zuge der Corona-Pandemie pl</span>ötzlich die menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen osteuropäischer ArbeiterInnen in der Fleischindustrie ein öffentliches Thema wurden, sind Werkverträge in aller Munde. Unabhängig davon, dass miese Wohn-, Lebens- und Arbeitsverhältnisse kein Alleinstellungsmerkmal von „Fremdbeschäftigten“ sind, sondern „Stammbeschäftigte“ genauso betreffen können (und allzu häufig auch betrifft), wird das Ausmaß von Belegschaftsspaltung in der heutigen Wirtschaftsordnung dabei gerne verschwiegen. </span></span></span></p>
<h6><span style="color: #000000"><span style="font-family: Gill Sans MT, serif"><span style="font-size: small"><b>Die Drohung der Auslagerung sitzt immer mit am Tisch</b></span></span></span></h6>
<p align="justify"><span style="color: #000000"><span style="font-family: Gill Sans MT, serif"><span style="font-size: small">Das Prinzip hinter Werkverträgen ist einfach. Ein Kapitalist gibt einem anderen Kapitalisten den Auftrag, für ihn Aufgaben zu erledigen, was dieser dann mit „seinen“ ArbeiterInnen macht. Läuft zwar auch die einmalige Reparatur eines Wasserrohrs unter dem Label „Werkvertrag“, ist von Interesse vor allem die Vergabe von Daueraufgaben. Während die allermeisten Reinigungs-, Sicherheits-, Küchen- oder Wartungsdienste bereits auf dieser Basis ablaufen, hat sich das Prinzip im vergangenen Jahrzehnt auch mehr und mehr bei sog. „Kernaufgaben“ etabliert. Offiziell dient es der Qualitätssteigerung, tatsächlich geht es in den meisten Fällen um zweierlei: Spaltung der Arbeiterinnen und Verlagerung von Verantwortung auf einen wesentlich kapitalschwächeren Kapitalisten, bei dem dann im Falle der Nichtzahlung von Lohn oder Nichteinhaltung von Arbeitsstandards nicht viel zu holen ist. Das Ausmaß solcher Werkvertragsnutzung ist enorm: 91 % aller Unternehmen in Deutschland sind in irgendeiner Form als Werkvertragsgeber tätig, 88 % aller Unternehmen lagern mindestens einen Kernprozess und gut die Hälfte mindestens sowohl einen Kern- als auch einen Randprozess aus. Die Auslagerungsquote, d.h. das Verhältnis von selbstausgeführten zu „outgesourceten“ Aufgaben, liegt bei etwas mehr als 25 %. Die Drohung, dass bestimmte Tätigkeiten ausgelagert werden, sitzt bei Tarifverhandlungen also stets mit am Verhandlungstisch.</span></span></span></p>
<h6><span style="color: #000000"><span style="font-family: Gill Sans MT, serif"><span style="font-size: small"><b>Einfallsreiche Kapitalisten</b></span></span></span></h6>
<p align="justify"><span style="color: #000000"><span style="font-family: Gill Sans MT, serif"><span style="font-size: small">Ist es dann nicht aber begrüßenswert, dass Werkverträge und Leiharbeit zur Erfüllung von Kernaufgaben in der Fleischindustrie ab 2021 verboten sind? Definitiv. Aber stellt das Problem einen Baum dar, dann wurde damit nicht an die Wurzel gegangen, sondern ein Blatt abgezupft. Denn mehr als ein Fünftel aller Kernerwerbstätigen sind inzwischen atypisch beschäftigt, von allen Beschäftigungsverhältnissen sind es sogar 40%. Bisher hat es den Kapitalisten nie an Ideenreichtum gefehlt, wenn es darum ging, eine Spaltungsmethode durch eine andere zu ersetzen. So erfreut sich im Baugewerbe, wo Leiharbeit seit den 1980ern verboten ist, die Solo-Selbständigkeit größter Beliebtheit. Am Frankfurter Flughafen wurde Leiharbeit nach den letzten Gesetzesverschärfungen durch die Konstellation des „Gemeinschaftsbetriebs“ ersetzt, was die Belegschaftsspaltung nur in ein neues Gewand hüllt.</span></span></span></p>
<p>Der Kampf gegen jede Form der Belegschaftsspaltung, auf rechtlicher Ebene, vor allem aber in den Betrieben, sollte oberste Priorität haben. Ein Ende wird den Spaltungs- und Auslagerungsorgien des Kapitals aber erst dadurch gemacht werden können, dass die „Verantwortung“ für die ArbeiterInnen in andere Hände gelegt wird – nämlich ihre eigenen.</p>
<p><span style="font-family: Arial, serif">Daniel, Trier</span></p>
<p>Dieser Artikel erschien in der aktuellen Position, dem Magazin der SDAJ.</p>
<p>Zur genaueren Background-Info:</p>
<p><span style="font-family: Arial, serif"><strong>Gemeinschaftsbetriebe</strong> </span></p>
<p align="justify"><span style="color: #000000"><span style="font-family: Gill Sans MT, serif"><span style="font-size: xx-small"><span style="font-family: Calibri, sans-serif"><span style="font-size: small">Noch ist es eine Art </span></span><span style="font-family: Calibri, sans-serif"><span style="font-size: small">„Geheimtipp“ in den lichtdurchfluteten Frankfurter Designerbüros der Kapitalanwälte, Leiharbeit und Werkverträge durch die sicherere Variante der „gemeinsamen Betriebe“ zu ersetzen. Worum handelt es sich dabei? Wenn ein Kapitalist einem anderen nicht nur Arbeitskräfte zu dessen freier Verfügung bereitstellt, sondern mit diesem zusammen die Verantwortung sowohl für dessen als auch die eigenen ArbeiterInnen übernimmt, liegt rechtlich weder Leiharbeit noch ein Werkvertrag vor. Die Beschäftigten arbeiten Seite an Seite, haben aber unterschiedliche Arbeitgeber, d.h. es gilt weder der allgemeine arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz noch haften die Kapitalisten z.B. für einen etwaigen Sozialplan gemeinsam. Zwar kann die Belegschaft anders als bei Leiharbeit einen gemeinsamen Betriebsrat wählen und es gilt ein unternehmensübergreifender Kündigungsschutz, aber das ist den Kapitalisten die Anwendung verschiedener Tarifverträge oder die Spaltung bei Weihnachts- und Urlaubsgeld im Zweifel wert. GewerkschafterInnen sollten diese Konstellation also besser im Auge behalten.</span></span> </span></span></span></p>
<h2><span style="color: #000000"><span style="font-family: Gill Sans MT, serif"><span style="font-size: xx-small"> </span></span></span></h2>
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		<title>Die Legende von der Seelenpartnerschaft</title>
		<link>https://www.sdaj.org/2020/09/12/die-legende-von-der-seelenpartnerschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Sep 2020 09:49:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 3/2020]]></category>
		<category><![CDATA[POSITION – Magazin der SDAJ]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Lieben im Kapitalismus Auf dieser Welt leben rund 7,8 Milliarden Menschen- und einer davon ist dein Seelenpartner. Zumindest behauptet das eine ganze Reihe von A- bis C-Promis, Klatschzeitungen und InfluencerInnen und das nicht erst seit der hundertsten „Spiritualismus-Welle“. Und warum auch nicht? Die Vorstellung, dass es da irgendwo einen Menschen gibt, der perfekt zu uns [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h6><strong>Lieben im Kapitalismus</strong></h6>
<p>Auf dieser Welt leben rund 7,8 Milliarden Menschen- und einer davon ist dein Seelenpartner. Zumindest behauptet das eine ganze Reihe von A- bis C-Promis, Klatschzeitungen und InfluencerInnen und das nicht erst seit der hundertsten „Spiritualismus-Welle“. Und warum auch nicht? Die Vorstellung, dass es da irgendwo einen Menschen gibt, der perfekt zu uns passt, ohne dass wir groß was tun müssen, ist beruhigend und angenehm. Man flüchtet sich in ein romantisches Vollendungsszenario, in dem am Ende des metaphorischen Films „Leben“ ein großes „Happy End“ steht. Aber warum ist das problematisch?</p>
<p>Ganz einfach: Immer, wenn Menschen heute dazu gebracht werden sollen zu glauben, irgendein höheres Bewusstsein bestimmt über ihr Leben werden sie in eine passive Rolle gebracht. Was juckt mich der Stress auf der Arbeit, hohe Mieten und so fort, wenn ich irgendwann meinen Seelenpartner treffe und nur darauf warten muss, dass sich alles einrenkt? Diese romantischen Illusionen dienen der Realitätsflucht, die zuweilen angenehm ist und deshalb so viele AnhängerInnen findet.</p>
<h6><b>Liebe im luftleeren Raum?</b></h6>
<p>Das bürgerliche, sentimental gefärbte Ideal der Kleinfamilie verdeckt, dass auch die Partnerwahl oft genug und vorrangig von ökonomischen Abhängigkeiten bestimmt wurde. Für die doppelt unterdrückte Frau im Kapitalismus gab es zumeist keine reale Wahl des Ehepartners, sie wurde vielmehr durch niedrigere Löhne (so sie arbeiten konnte) und die unbezahlte Reproduktionsarbeit in die Abhängigkeit ihres Ehemannes gezwungen. Und auch heute, obwohl sich die Situation unbestreitbar durch die erkämpften Errungenschaften der proletarischen Frauenbewegung ein wenig verbessert hat, ist die Lebenspartnerschaft oft, nicht immer, eine Folge dieser ökonomischen Abhängigkeit. Geschichtlich war also auch das, was wir Liebe nennen, nie im luftleeren Raum. Natürlich gibt es aber noch eine Menge anderer Faktoren, die eben das Gefühl „Liebe“ prägen und die wir hier nicht alle auflisten können.</p>
<h6><b>Beziehungen in Bewegung</b></h6>
<p>Als MaterialistInnen wissen wir: Eine Seele haben wir nicht. Es rettet uns weder irgendein höheres Wesen, noch eine Art Schicksal, das über uns herumwabbert und alles regelt. Was für Menschen wir sind, welche Vorlieben und Abneigungen wir entwickeln, wie wir in bestimmten Situationen handeln entscheidet sich eben vorrangig dadurch, in welchem Umfeld wir aufwachsen, mit wem wir Zeit verbringen, eben durch unsere soziale und ökonomische Situation. Wir kommen nicht auf die Welt und haben irgendwo unser Gegenstück, dem wir dann schicksalhaft begegnen. <strong>Das Leben ist keine romantische Komödie, die während der „Prime-Time“ auf Sat1 läuft.</strong> Man muss sich auf sein Gegenüber einlassen, an sich arbeiten und trotzdem begegnet man Widersprüchen. Wir treffen nunmal nicht die eine Person, die perfekt zu uns passt, mit der wir sofort auf einer „Wellenlänge“ sind. Widersprüche resultieren bei quantitativer(grob gesagt ist die Anzahl gemeint) Steigerung regelmäßig in qualitativen Sprüngen, doch sie lösen sich nicht auf. So ist es auch in einer Beziehung: Sie ist niemals statisch, sie ist immer in Bewegung, sie wird manchmal mit der Zeit besser, manchmal schlechter, oft genug löst sie sich wieder auf. So wie sich unsere ökonomischen und sozialen Umstände verändern, verändern wir uns auch als Menschen, manchmal voneinander weg. Aber macht nicht das auch den Reiz aus?</p>
<p>Max, Solingen</p>
<p>Dieser Artikel erschien in der aktuellen Position, dem Magazin der SDAJ.</p>
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		<title>Umgang mit Drogenabhängigen</title>
		<link>https://www.sdaj.org/2020/09/10/umgang-mit-drogenabhaengigen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Sep 2020 07:37:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 3/2020]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die niedrigschwellige Drogenhilfe-ein fortschrittlicher Umgang mit Drogenabhängigen? Als niedrigschwellige Drogenhilfe werden alle szenenahen, sozialraum- und akzeptanzorientierten Hilfsangebote bezeichnet, die eine erste Anlaufstelle für Drogenabhängige in besonders prekären Lebenslagen, wie zum Beispiel Wohnungslosigkeit, darstellen. Dazu gehören Streetwork-Projekte, also aufsuchende Sozialarbeit, Konsumräume, in denen die Abhängigen unter geschützten Bedingungen und mit sauberen Besteck Drogen konsumieren können und [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h6><b>Die niedrigschwellige Drogenhilfe-ein fortschrittlicher Umgang mit Drogenabhängigen?</b></h6>
<p>Als niedrigschwellige Drogenhilfe werden alle szenenahen, sozialraum- und akzeptanzorientierten Hilfsangebote bezeichnet, die eine erste Anlaufstelle für Drogenabhängige in besonders prekären Lebenslagen, wie zum Beispiel Wohnungslosigkeit, darstellen. Dazu gehören Streetwork-Projekte, also aufsuchende Sozialarbeit, Konsumräume, in denen die Abhängigen unter geschützten Bedingungen und mit sauberen Besteck Drogen konsumieren können und Notschlafstellen. Ich habe zwei Jahre neben dem Studium in einer Notschlafstelle mit Konsumraum und Streetwork-Angebot in Frankfurt am Main gearbeitet. Bis in die 90er Jahre galt die Stadt bundesweit als Drogenhochburg, in den Parks und auf den Straßen tummelten sich zahlreiche Abhängige, konsumierten mit dreckigem Besteck, viele starben auf offener Straße. Lange war die einzige Antwort der Stadt Polizeieinsätze, die das Problem jedoch nur kurzfristig verlagerten. Eine wirkungsvolle Lösung musste gefunden werden. Dabei spielte vor allem der ordnungspolitische Aspekt eine wichtige Rolle für die Stadt, da die Drogenszene nicht dem gewünschten Stadtbild der Finanzmetropole entsprach. Für viele SozialarbeiterInnen, SoziologInnen und PsychologInnen, die an der Entwicklung des Frankfurter Weges mitwirkten, war ein humaner Ansatz mit einem Konzept, dass an der Lebenswelt der Hilfsbedürftigen anknüpft, bei der Suche nach einer Lösung wichtig.</p>
<h6><b>Meine Erfahrungen in der niedrigschwelligen Drogenhilfe</b></h6>
<p>Die Arbeit hat oft den Eindruck reiner Elendsverwaltung gemacht. Die Menschen bekamen zwar das Mindeste gestellt, Infos wie es weiter geht oder konkrete Hilfe gab es jedoch wenig. Im Streetwork haben wir die Anschaffenden mit Kondomen und Gleitgel versorgt und ihnen Schlafplätze angeboten. Zusätzlich haben wir Zählungen durchgeführt, die unter anderem an die Polizei weitergegeben wurden. Die Übernachtungsstelle war in einem schlechten hygienischen Zustand. Die Reinigung wurde von Abhängigen selbst übernommen, die das im Rahmen von Ein-Euro-Jobs durchführten, was in einer Notschlafstelle mit Menschen, die oft zahlreiche Krankheiten haben, ein Risiko darstellt. Die meisten MitarbeiterInnen waren studentische Aushilfen oder komplett fachfremde Kräfte. Das Geld, das für die Hilfe der Drogenabhängigen ausgegeben wurde war oft so knapp, dass ab Oktober im Konsumraum die sauberen Nadeln rationiert werden mussten. Die Einrichtung war baufällig, die MitarbeiterInnen bekamen gegen den kalten Wind einen Pullover geschenkt. Therapieplätze und Entzugskliniken waren so rar, dass sich die Abhängigen oft mehrere Wochen um 6 Uhr dort melden mussten, ob sie auch wirklich den Platz wollten. Eine Hürde, die für Viele nicht zu schaffen war.</p>
<h6><b>Der Schein erschwert das Bewusstsein</b></h6>
<p><a name="_Hlk44605487"></a>Die niedrigschwellige Drogenhilfe versucht da anzusetzen, wo die Hilfsbedürftigen aktuell stehen. Die Einführung von Konsumräumen hat dafür gesorgt, dass sich die Zahl der Drogentoten drastisch reduziert hat, da dort sofort Erste Hilfe geleistet werden kann. <strong>Doch wird auch dieses Hilfsangebot im Kapitalismus durchgeführt, der die Kostenfrage immer an erste Stelle stellt.</strong> Der ordnungspolitische Aspekt steht im Vordergrund. Solange die Abhängigen nicht gesehen werden, am besten durch Verlegung der Szene an den Stadtrand, sie nicht auf offener Straße sterben und ihr Besteck nicht liegen lassen, ist der Auftrag soweit beendet.</p>
<p>Josephine, Bochum</p>
<p>Dieser Artikel erschien in der Position, dem Magazin der SDAJ.</p>
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		<item>
		<title>Brasilien: Klassenkampf im Zeichen von Corona</title>
		<link>https://www.sdaj.org/2020/09/08/brasilien-klassenkampf-im-zeichen-von-corona/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Sep 2020 07:23:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 3/2020]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Solidarität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die BRD hält zu ihrem „Kandidaten der Märkte“ „Fora Bolsonaro!“ – „Bolsonaro raus!“, dieser Ausruf hallt gegenwärtig alle paar Tage durch São Paulo und andere brasilianische Städte. Zu Beginn der Corona-Epidemie stimmten einst zahlreiche Menschen auf ihren Balkonen gemeinsam diesen politischen Kampfgesang an, jetzt eint der Spruch Gewerkschaften, linke Parteien, soziale Bewegungen und die großen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h6 align="justify"><span style="color: #000000"><i>Die BRD hält zu ihrem „Kandidaten der Märkte“</i></span></h6>
<p align="justify">„Fora Bolsonaro!“ – „Bolsonaro raus!“, dieser Ausruf hallt gegenwärtig alle paar Tage durch São Paulo und andere brasilianische Städte. Zu Beginn der Corona-Epidemie stimmten einst zahlreiche Menschen auf ihren Balkonen gemeinsam diesen politischen Kampfgesang an, jetzt eint der Spruch Gewerkschaften, linke Parteien, soziale Bewegungen und die großen Fußballclubs in ihrem Protest auf der Straße. Der reaktionäre Macker Bolsonaro hat mit seiner Regierungspolitik wesentlich dazu beigetragen, dass sich Brasilien zum Corona-Hotspot in Lateinamerika entwickelte und weltweit die zweithöchsten Zahlen aufweist (Infizierte: ca. 1,5 Millionen; Tote: ca. 62.000; Stand 03.07.). Dabei wird in Brasilien kaum noch getestet und auch Ende April lag die Quote bei gerade einmal durchschnittlich 1.300 Tests pro eine Million EinwohnerIn am Tag. Hauptsorge in diesem Zusammenhang blieb aber von Anfang und bis heute die brasilianische Wirtschaft, die man durch Corona bedroht sieht. Entsprechend gestalteten sich auch die getroffenen Maßnahmen: Ende März verordnete Bolsonaro, dass Arbeitsverträge durch die Unternehmer für bis zu vier Monate unterbrochen werden können. In dieser Zeit übt der Beschäftigte seine berufliche Tätigkeit nicht aus, der Unternehmer zahlt auch kein Gehalt, nur die Sozialversicherung ist als Trostpflaster beizubehalten.</p>
<h6 align="justify"><b>Politik auf Kosten der Armen</b></h6>
<p align="justify">Von einem Lockdown wollte man an zentraler Stelle eingangs absehen, schließlich hätte der die bisher behütete Wirtschaft in Gefahr gebracht. Unter diesen Umständen begannen selbst ehemalige Verbündete von Bolsonaro gegen den Präsidenten zu schießen, Provinzgouverneure und Bürgermeister versuchten selbstständig, dem Virus entgegenzutreten und wurden dafür teils kräftig gerügt. Das seit dem Amtsantritt der rechten Regierung rasch kaputt gesparte und durch den von Bolsonaro forcierten Abzug kubanischer ÄrztInnen geschwächte Gesundheitssystem, ist vielerorts sowieso bereits zu Beginn der Krise zusammengebrochen. Hilfe kam hier nicht nur viel zu spät, sie wurde erst gar nicht geleistet, stattdessen hat man Leichen in Kühltruhen gelagert und Massengräber ausgehoben. Während Bolsonaros weiße, vermögende Anhänger in mickriger Zahl, aber dafür in fetten Karossen, die Forderung nach der Öffnung auf die Straße trugen, verreckten die Menschen in den Favelas in bis dahin unbekanntem Ausmaß. Die Situation wurde so schlimm, dass sich schließlich sogar kriminelle Banden und Drogenkartelle genötigt sahen auf lokaler Ebene Hygienemaßnahmen durchzusetzen, um so ihre Communities vor der absoluten Katastrophe zu bewahren.</p>
<h6 align="justify"><span style="color: #000000"><b>Deutsche Demokratieexperten</b></span></h6>
<p align="justify"><a name="_Hlk45207505"></a> Während einige bürgerliche Medien hierzulande sich in vorsichtiger Kritik üben, bleibt es im Kanzleramt auffallend still. <strong>Wo man sich sonst so gern über eigens definierte Schurkenstaaten und Despoten auslässt, hat man im Falle von Bolsonaro und der desaströsen Lage in Brasilien wenig zu sagen.</strong> Aber wen wundert es? Kurz vor der Wahl Bolsonaros zum Präsidenten nannte ihn die Deutsche Bank den „Wunschkandidat(en) der Märkte“. Brasilien ist für die BRD der wichtigste Handelspartner in Lateinamerika. Die neoliberale und auf Sozialabbau forcierte Wirtschaftspolitik Bolsonaros kommt auch deutschen Unternehmen sehr gelegen. Denn wenn es um die Absicherung von Profiten und gegen die Masse der Werktätigen geht, dann halten auch die Herrschenden zusammen. Daran sollten wir uns umgekehrt ein Beispiel nehmen. In diesem Sinne: Hoch die internationale Solidarität – Fora Bolsonaro!</p>
<p align="justify">Leo, München</p>
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		<item>
		<title>Warum baller ich mich weg?</title>
		<link>https://www.sdaj.org/2020/09/06/warum-baller-ich-mich-weg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Sep 2020 10:04:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 3/2020]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das gefährliche an Drogen ist die Gesellschaft Als der Neurowissenschaftler David Nutt 2008 nachwies, dass Pferdereiten gefährlicher ist als Ecstasy-Konsum, wurde er kurz darauf als britischer Regierungsberater gefeuert. Die Innenministerin echauffierte sich, dass die Gefahren legaler und illegaler Sachen doch nicht vergleichbar seien. Tatsächlich ist sich die Fachwelt längst einig, dass die Frage, ob eine [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.sdaj.org/2020/09/06/warum-baller-ich-mich-weg/">Warum baller ich mich weg?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.sdaj.org">SDAJ</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h6 align="justify"><b>Das gefährliche an Drogen ist die Gesellschaft</b></h6>
<p align="justify">Als der Neurowissenschaftler David Nutt 2008 nachwies, dass Pferdereiten gefährlicher ist als Ecstasy-Konsum, wurde er kurz darauf als britischer Regierungsberater gefeuert. Die Innenministerin echauffierte sich, dass die Gefahren legaler und illegaler Sachen doch nicht vergleichbar seien. Tatsächlich ist sich die Fachwelt längst einig, dass die Frage, ob eine Droge verboten ist oder nicht, nichts damit zu tun hat wie gefährlich sie ist. Drogen, das sind nicht nur bestimmte Substanzen, die in unserem Gehirn wirken, sondern das können auch bestimmte Verhaltensweisen sein, bspw. Glücksspiel, Sex, oder eben Pferdereiten.</p>
<p align="justify">Die Gründe für Drogenkonsum sind vielfältig und reichen von religiösen Motiven über Genussmittel und Medikation, bis zur Linderung von Schmerz. Keine Frage, wenn Menschen nicht im Vollbesitz ihrer geistigen und physischen Fähigkeiten sind, können sie sich und andere gefährden. Wenn Drogen der Flucht aus der Realität dienen, können sie eine bequeme Alternative zur Veränderung selbiger sein. Langfristig problematisch wird Drogenkonsum aber vor allem dann, wenn man eine Abhängigkeit entwickelt. Als Abhänigkeit beschreid David Nutt einen Verhaltenszustand, indem durch Vorgänge im Gehirn Menschen dazu genötigt werden, Dinge zu tun, die sie eigentlich nicht tun wollen.</p>
<p align="justify">Drogenabhängigkeit wird in unserer Gesellschaft noch immer vornehmlich auf die Willensschwäche der Konsumenten oder die starke Wirkung der jeweiligen Droge geschoben. Würde das stimmen, dann müssten Schmerzpatienten, die mit Opioiden behandelt werden, regelmäßig abhängig werden. Um eine Abhängigkeit zu entwickeln müssen hingegen v.a. bestimmte persönliche Veranlagungen vorhanden sein. Menschen die in ihrer Kindheit schmerzhafte Erfahrungen gemacht haben, oder denen menschliche Bindungen fehlen, neigen bspw. eher dazu abhängig zu werden.</p>
<p align="justify">Dass Drogenabhängige nicht automatisch Junkies bleiben, zeigen wiederum die sogenannten „Rat-Park Experimente“ des Psychologen Bruce Alexander und seiner Kollegen besonders eindrücklich. In einem der Experimente wurde Ratten über 2 Monate täglich Morphin injiziert. Anschließend kam ein Teil der Junkie-Ratten in ein Rattenparadies mit 200-facher Größe der üblichen Laborkäfige, Ratten beiderlei Geschlechts, Überfluss an Nahrung und Spielzeug. Ein anderer Teil kam in einen reizarmen Standardkäfig. Beiden Gruppen wurde sowohl Leitungswasser als auch mit Morphin versetztes Wasser angeboten. Das Ergebnis: Die Paradies-Ratten bevorzugten trotz Entzugserscheinungen das Leitungswasser, die Käfig-Ratten erhöhten hingegen ihren Drogenkonsum.</p>
<p align="justify"><a name="_GoBack"></a> Das zeigt, Drogen sind nicht per se unwiderstehlich, Abhängigkeit ist nicht irreversibel und die Umweltbedingungen sind bestimmend dafür ob Drogenkonsum langfristig problematische Folgen hat. Der „Krieg gegen Drogen“ und die Prohibitionspolitik sind als gesellschaftliche Rahmenbedingungen offenbar gescheitert. In der Geschichte der Menschheit gab und gibt es zudem nicht eine abstinente Gesellschaft. Um die Gefahren des Drogenkonsums einzudämmen geht es also nicht darum den Konsum an sich zu verhindern, sondern darum sichere Rahmenbedingungen zu schaffen – d.h. auch für das „Paradies auf Erden“ (Lenin) zu kämpfen, den Sozialismus.</p>
<p align="justify">Paul, Essen</p>
<p align="justify">Dieser Artikel erschien in der aktuellen Position, dem Magazin der SDAJ.</p>
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		<title>Likes und Dislikes</title>
		<link>https://www.sdaj.org/2020/09/04/likes-und-dislikes/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Sep 2020 10:33:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 3/2020]]></category>
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		<category><![CDATA[FBI]]></category>
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		<category><![CDATA[Rassimsus und Faschismus]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<h6 style="text-align: center;"><b>Like: Ein kleines Spiel über den Faschismus</b></h6>
<p>Das Setting des 2. Weltkriegs oder auch des Hitlerfaschismus ist in Videospielen nichts Neues: „Wolfenstein“, „Hearts of Iron“, „Call of Duty“. Doch während man sich in „Call of Duty“ übermächtig durch Gegnerhorden kämpft oder als Anführer einer Nation in „Hearts of Iron“ das Schicksal ganzer Länder in der Hand hat, ist „Through The Darkest Of Times“ eher klein. Worum geht es? Man startet das Spiel im Jahr 1933. Zuvor muss man sich einen Charakter erstellen, der zufallsgenerierte Eigenschaften hat: Ein sozialdemokratischer Professor, nationalkonservativer Lehrer oder kommunistischer Arbeiter. Die Eigenschaften der Charaktere sind für den Erfolg entscheidend. Nach dem Erstellen eines Charakters muss man neue Mitglieder für seine Widerstandsgruppe anwerben und gemeinsam Aktionen durchführen, um den Widerstand im Kleinen zu organisieren: Spenden sammeln, Flugblätter verteilen, der SA Geld stehlen und so weiter. Durch geschicktes Spielen und genug taktisches Geschick können auch spektakuläre Aktionen durchgeführt werden, wie die Befreiung eines Konzentrationslagers.</p>
<p>Während das Gameplay nicht besonders knackig ist, überzeugt die Atmosphäre, die das Spiel erzeugt. Seien es die schönen, in einem düsteren Comicstil gehaltenen Charaktere und eine ebensolche Umgebung oder die an die Musikrichtung der 20er und 30er Jahre angelehnte musikalische Untermalung. Alles in allem ist „Trough The Darkest Of Times“ ein sehr gutes, antifaschistisches Spiel. Die Geschichte bleibt ernst, die historischen Ereignisse werden, so akkurat es in einer Erzählung geht, wiedergegeben und dass die Gruppe divers sein muss, um ordentlichen Widerstand leisten zu können, ist eine gute Message. Toll, dass „Paintbucket“ Games gegen den Mainstream schwimmt und ein ruhiges, emotionales Spiel über den Faschismus herausbringt und so gegen die immer gleichen Bombastshooter oder Militärstrategiesimulationen ein Statement setzt.</p>
<p>Veröffentlichungsdatum: 2019 Verfügbarkeit: Steam (Windows, Mac OS,) 14,99€ Play Store (Android) 7,99€</p>
<p>Daniel, Marburg</p>
<p>&nbsp;</p>
<h6 style="text-align: center;"><b>Dislike: „Balls“- für Geld mach ich alles oder „der neue Schreck des Kapitalismus“</b></h6>
<p>Seit Anfang Mai läuft auf ProSieben die Fernsehsendung „Balls“ (Eier), in der 50 KandidatInnen verschiedene Aufgaben präsentiert bekommen. Wenn sie die Aufgabe erfüllen, winken ihnen 3000 Euro. Laut dem Fernsehsender sollen die Aufgaben jeweils eine Überwindung der TeilnehmerInnen erfordern, von Schmerzbewältigung bis zum Überschreiten der Schamgrenze. Die ZuschauerInnen sollen dabei staunend und vor allem lachend zurückgelassen werden. Bei den Aufgaben scheinen sich die Produzenten von den Misshandlungen der Gefangenen in Guantanamo Inspiration geholt zu haben: Sich wie ein Schwein nackt vor laufender Kamera im Dreck wälzen müssen, die Zunge in einen TASER halten, sich in Tierfäkalien wälzen und Urin trinken. Alles natürlich auf freiwilliger Basis, kein/e KandidatIn wird zur Teilnahme gezwungen. Dass sich die meisten Menschen im Kapitalismus nicht frei aussuchen können, was sie für Geld tun wird ebenso wie die komplette Entwürdigung und Entmenschlichung der TeilnehmerInnen zu Unterhaltungszwecken ignoriert. Das ist, zugegeben, auch nichts neues. Was das Format der Sendung jedoch verdeutlicht, ist der direkte und offen dargestellte Bezahlvorgang für Demütigung und Misshandlung für eine Unterhaltungs-Show, das dann auch noch verknüpft mit Männlichkeit, ganz nach dem Motto: „Hast du die Eier dafür“?</p>
<p>Josephine, Bochum</p>
<h6 align="center"><b>Like: Mississippi Burning &#8211; Ein Film mit trauriger Aktualität</b></h6>
<p>Seit der Ermordung Georg Floyds sind durch die anhaltenden Proteste Rassismus und Polizeigewalt weltweit ein Thema geworden. Der Film Mississippi Burning von 1988 gibt einen starken, emotionalen Einblick in rassistische Machtstrukturen in Polizei und Justiz und zeigt dabei das alltägliche Leben der Arbeiterklasse in den Südstaaten. Der Film spielt im Jahre 1964 in Mississippi und beginnt mit der Ermordung von drei Bürgerrechtlern, die für das Wahlrecht für Schwarze Menschen kämpften, durch die Polizei. Zwei FBI Agenten werden in die Kleinstadt geschickt, um den Mord aufzuklären. Dort stoßen sie auf Rassismus, mangelnde Kooperationsbereitschaft der ansässigen Polizei und eine ausgegrenzte, schwarze Bevölkerung, die durch den Ku-Klux-Klan terrorisiert wird. Die Agenten gehen über die Grenzen von legaler Ermittlungsarbeit hinaus, um die Schuldigen zu ermitteln, jedoch winkt längst nicht allen Beteiligten eine Verurteilung. Der Film ist spannend gemacht und zeigt die rassistischen Machtstrukturen und deren beinahe Unantastbarkeit gut auf.</p>
<p>Josephine, Bochum</p>
<p>Die Kategorie &#8222;Likes und Dislikes&#8220; ist eine feste Kategorie in der Position, dem Magazin der SDAJ.</p>
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		<title>Lass mal übers Ficken reden</title>
		<link>https://www.sdaj.org/2020/09/02/lass-mal-uebers-ficken-reden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2020 09:30:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 3/2020]]></category>
		<category><![CDATA[POSITION – Magazin der SDAJ]]></category>
		<category><![CDATA[A-Sexualität]]></category>
		<category><![CDATA[arbeiterjugend]]></category>
		<category><![CDATA[Hygiene]]></category>
		<category><![CDATA[Lass mal übers Ficken reden]]></category>
		<category><![CDATA[neue Position]]></category>
		<category><![CDATA[POSITION]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Rubrik &#8222;Lass mal übers Ficken reden&#8220; ist fester Bestandteil in der Position, dem Magazin der SDAJ. In der aktuellen Ausgabe geht es um das Thema &#8222;A-Sexualität&#8220; und Hygiene beim Ficken. Ben (24) ist asexuell. Wir haben ihn nach seinem Sexual- und Beziehungsleben gefragt. Hattest du schon einmal Sex oder hast du sogar noch Sex? [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em><span style="font-family: Times New Roman, serif"><span style="font-size: medium">Die Rubrik &#8222;Lass mal übers Ficken reden&#8220; ist fester Bestandteil in der Position, dem Magazin der SDAJ. In der aktuellen Ausgabe geht es um das Thema &#8222;A-Sexualität&#8220; und Hygiene beim Ficken.</span></span></em></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman, serif"><span style="font-size: medium">Ben (24) ist asexuell. Wir haben ihn nach seinem Sexual- und Beziehungsleben gefragt.</span></span></p>
<p><strong><span style="font-family: Times New Roman, serif"><span style="font-size: medium">Hattest du schon einmal Sex oder hast du sogar noch Sex?</span></span></strong></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman, serif"><span style="font-size: medium">Ja ich hatte bereits Sex. Ich habe das auch schon öfter ausprobiert, konnte aber nie wirklich Gefallen daran finden. Das war früher für mich sogar ziemlich belastend, da man sich dann schon fragt, wieso man an diesem Ding, das alle so toll finden, einfach keine Lust findet. </span></span></p>
<p><strong><span style="font-family: Times New Roman, serif"><span style="font-size: medium">Wie hast du das rausgefunden? Wie geht dein Umfeld damit um?</span></span></strong></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman, serif"><span style="font-size: medium">Mit dem Thema wurde ich erstmals durch die Serie &#8222;Bojack Horseman&#8220; konfrontiert. Daraufhin habe ich mich damit mehr vertraut gemacht und fand die Definition sehr zutreffend auf mich. Als ich dann über das Internet Kontakt mit anderen asexuellen Menschen aufgebaut habe, hat sich diese Ansicht verfestigt. Mein Umfeld geht sehr gut damit um. Gerade die weiblichen Freunde haben dafür ein großes Verständnis. Den männlichen Freunden fällt das manchmal etwas schwerer und hier durfte ich mir auch schon Dinge anhören wie &#8222;Naja, vielleicht war es bisher auch einfach noch nicht die Richtige&#8220;. Das ist alles nicht böse gemeint und ich habe das auch nie so aufgefasst. Denn auch von diesen wird meine sexuelle (Nicht-)Orientierung akzeptiert.</span></span></p>
<p><a name="_GoBack"></a> <strong><span style="font-family: Times New Roman, serif"><span style="font-size: medium">Wie sehen dauerhafte Beziehungen bei dir aus? Hast du überhaupt partnerschaftliche Beziehungen?</span></span></strong></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman, serif"><span style="font-size: medium">Ich identifiziere mich tatsächlich erst seit etwa zwei Jahren mit der Asexualität. Davor hatte ich große Schwierigkeiten, eine Partnerschaft aufrechtzuerhalten. Sex war damals für mich etwas, das dann dazugehörte, wozu ich mich zwingen musste. Das bemerkt ein Gegenüber natürlich und wenn man dann nicht darüber redet, bekommt dieser das Gefühl, dass es an ihm liegt, dass ich da keinen Spaß habe (und entsprechend auch die Erektion schon verloren habe).<br />
Meinen dauerhaftesten romantischen Kontakt führe ich aktuell. Wir haben uns vor anderthalb Jahren kennengelernt. Auch hier gibt es unterschiedliche Interessen. Während sie das Küssen bereits schon nicht mag, ist das für mich etwas sehr Schönes. Aber ich denke, so oder so ähnlich ist das in sexuellen Beziehungen auch. Da mag der eine vielleicht auch viel häufiger Sex als der andere und es muss ein Kompromiss gefunden werden, mit dem beide zufrieden sind. Unsere Lösung ist die Polygamie.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman, serif"><span style="font-size: medium">Das Interview führte Daniel aus Trier</span></span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman, serif"><span style="font-size: medium">Frage von Luke 21 zu Hygiene beim Sex:<br />
</span></span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman, serif"><span style="font-size: medium">Nach meiner ersten längeren Beziehung (fast 3 Jahre) habe ich jetzt eine neue Freundin. Sie ist etwas älter als ich und hat auch mehr Erfahrung. Scheinbar auch schlechte, sie meinte sie hätte sich schon mehrmals beim Sex was geholt und deshalb springt sie kurz nach dem Sex auf und geht duschen. Meine Ex und ich haben das nie gemacht, und wenn ich ehrlich bin fühle ich mich jetzt auch dreckig, wenn ich nicht auch duschen gehe. Wie machen andere das denn?</span></span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman, serif"><span style="font-size: medium">Hey Luke,</span></span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman, serif"><span style="font-size: medium">aus gesundheitlicher Sicht ist das Waschen von Penis, After und Vulva nach dem Vaginalverkehr sicherlich nicht verkehrt. Nach dem Analverkehr oder Kontakt mit Menstruationsblut ist es empfehlenswert. Für Frauen verringert sich aber das Risiko einer Harnwegs- (Perspektive Blasen-)Entzündung stark, wenn sie nach dem Verkehr pinkeln und noch einmal mehr, wenn sie den Scheideneingang mit warmen Wasser, aber ohne Seife auswaschen. Penisse sind nicht so empfänglich für Blasenentzündungen, doch fangen nach einigen Stunden arg an zu müffeln, wenn sich Schweiss, Urin, Scheidensekret und Sperma vermischen. Verzichten solltet ihr auf jeden Fall nach dem Sex auf sexy Unterwäsche aus Synthetik, darin kann die gereizte Haut sich nicht vom Sex erholen.</span></span></p>
<p><a name="_GoBack"></a> <span style="font-family: Times New Roman, serif"><span style="font-size: medium">Sehr umstritten ist die Frage, ob man vor dem Sex duschen sollte. GegnerInnen argumentieren, dass der Eigengeruch (auch der aus den Geschlechtsdrüsen in und um die Scheide, Eichel und Hoden) signifikant zum Erleben des Sexes beitragen. Und so sind Langzeitpaare, die vor dem Sex gewöhnlich nicht duschen, tendenziell glücklicher mit ihrem Sexleben als jene. die Duschen. Aber vor allem Frauen „mit wechselnden Geschlechtspartnern“ klagen oft über eine mangelnde Grundhygiene bei ihren Dates und schlagen vor, dass die Männer vorher immer duschen sollten. Dann gibt es noch die GegnerInnen „unnötigen Duschens“, die gerne Wasser sparen wollen. Aber: die allgemeine Wasserknappheit des Planeten hat keinen Zusammenhang mit dem Wasserkonsum in Mitteleuropa, wo Trinkwasser weit über Bedarf vorhanden ist.</span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Mit Bildung und Zucker und niemals dogmatisch – immer bis zum Sieg</title>
		<link>https://www.sdaj.org/2020/08/31/mit-bildung-und-zucker-und-niemals-dogmatisch-immer-bis-zum-sieg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Aug 2020 07:02:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 3/2020]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Solidarität]]></category>
		<category><![CDATA[POSITION – Magazin der SDAJ]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterjugendpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterklasse]]></category>
		<category><![CDATA[Fidel Castro]]></category>
		<category><![CDATA[Gran Zafra]]></category>
		<category><![CDATA[hoch die internationale Solidarität]]></category>
		<category><![CDATA[Internationales]]></category>
		<category><![CDATA[Internationalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kuba]]></category>
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		<category><![CDATA[POSITION]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Zuckerernte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit der kubanischen Revolution 1959 erprobt der Karibikstaat immer wieder neue Methoden und Wege, eine Gesellschaft abseits von Egoismus und Profitlogik aufzubauen. Trotz vieler Rückschläge und der kolonialistischen und imperialistischen Ausbeutung des globalen Südens, die heute stärker stattfindet als jemals zuvor, beschreitet Kuba diesen Weg nun schon seit 61 Jahren. Eine große Stärke Kubas ist [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.sdaj.org/2020/08/31/mit-bildung-und-zucker-und-niemals-dogmatisch-immer-bis-zum-sieg/">Mit Bildung und Zucker und niemals dogmatisch – immer bis zum Sieg</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.sdaj.org">SDAJ</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a name="_GoBack"></a>Seit der kubanischen Revolution 1959 erprobt der Karibikstaat immer wieder neue Methoden und Wege, eine Gesellschaft abseits von Egoismus und Profitlogik aufzubauen. Trotz vieler Rückschläge und der kolonialistischen und imperialistischen Ausbeutung des globalen Südens, die heute stärker stattfindet als jemals zuvor, beschreitet Kuba diesen Weg nun schon seit 61 Jahren. <strong>Eine große Stärke Kubas ist die Fähigkeit, sich an Situationen anzupassen, Neues zu erproben und durch Auswertungen aus den gemachten Erfahrungen zu lernen.</strong></p>
<h6><b>Von der Alphabetisierung bis zur großen Zuckerernte</b></h6>
<p>Dabei spielt seit der Revolution die Einbeziehung der gesamten Bevölkerung und die Befähigung dieser zur Teilhabe eine wichtige Rolle. Ein gutes Beispiel dafür ist das Heer von knapp 300.000 Freiwilligen, das 1961 während der Alphabetisierungskampagne allen KubanerInnen lesen und schreiben beibrachte. Die ehemaligen Kasernen der Batista-Diktatur sind heute Schulen und Kuba hat die geringste Analphabetisierungsrate in ganz Südamerika. Ein anderes historisches Beispiel für die Beteiligung der ganzen Bevölkerung an nationalen Zielen ist die „Gran Zafra“ (große Ernte) von 1970. Diese Kampagne, die vor genau 50 Jahren stattfand und mehrere Jahre vorbereitet wurde, machte es sich zur Aufgabe, innerhalb eines Jahres zehn Millionen Tonnen Rohrzucker auf Kuba zu erwirtschaften. Dafür wurden ganz nach dem Vorbild und den voluntaristischen Bestrebungen des Che, landesweit Freiwillige, SoldatInnen und ArbeiterInnen aus anderen Bereichen mobilisiert. Dadurch kam Kuba auf die dreifache Zahl an ArbeiterInnen für die Zuckerrohrernte, wobei die Einbindung der Landbevölkerung und insbesondere der Frauen eine wichtige Rolle gespielt hatte. Zusätzlich wurde während der Kampagne die ländliche Infrastruktur gestärkt, vor allem durch die Einrichtung neuer Schulen und Ärztestationen, während die Mitgliedszahlen der Massenorganisationen deutlich anstiegen.</p>
<p>Trotz aller Bemühungen wurde das Ziel der zehn Millionen Tonnen nicht erreicht, was zum einen an veralteter Technologie, zum anderen an organisatorischen Mängeln lag. Einige Aspekte der Kampagne wurden als Fehler ausgewertet und Fidel Castro bot seinen Rücktritt an. Die wirtschaftliche Orientierung ging daraufhin weg vom Voluntarismus und mehr in Richtung des europäischen Sozialismus. Trotzdem gelang es den KubanerInnen in diesem Jahr 8.537.600 Tonnen Rohrzucker zu ernten, die größte Zuckerernte in der Geschichte Kubas, mithilfe derer die Industrialisierung Kubas in den kommenden Jahren vorangetrieben und soziale Errungenschaften gefördert werden konnten und die einen wichtigen Grundstein für eines der Hauptexportgüter Kubas in den kommenden zwanzig Jahren legte.</p>
<h6><b>Kind seiner Widersprüche</b></h6>
<p>Die „Gran Zafra“ zeigt, wie flexibel das revolutionäre Kuba, Kind seiner Widersprüche, sich an die jeweiligen historischen Situationen anzupassen vermag. Der Zucker ist über 200 Jahre Grund und Symbol der Erniedrigungen der BewohnerInnen Kubas gewesen. Wie der Autor E. Galeano in den „Offenen Adern Lateinamerikas“ dazu schrieb, „verwandelte sich der Zucker, der als ein Faktor der Unterentwicklung betrachtet worden war in ein Instrument der Entwicklung. Man hatte keine andere Wahl, als sich die Früchte der Monokultur und der aus dem Eintritt Kubas in den Weltmarkt entstandenen Abhängigkeit zunutze zu machen, um Monokultur und Abhängigkeit das Rückgrat zu brechen.“</p>
<p>Jurek, Essen</p>
<p>Dieser Artikel erschien in der aktuellen Position, dem Magazin der SDAJ.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.sdaj.org/2020/08/31/mit-bildung-und-zucker-und-niemals-dogmatisch-immer-bis-zum-sieg/">Mit Bildung und Zucker und niemals dogmatisch – immer bis zum Sieg</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.sdaj.org">SDAJ</a>.</p>
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		<title>„Drogen sind Werkzeuge der Herrschenden“</title>
		<link>https://www.sdaj.org/2020/08/30/drogen-sind-werkzeuge-der-herrschenden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Aug 2020 11:18:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 3/2020]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Solidarität]]></category>
		<category><![CDATA[POSITION – Magazin der SDAJ]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen und Rausch]]></category>
		<category><![CDATA[Drogenhandel]]></category>
		<category><![CDATA[JCP]]></category>
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		<category><![CDATA[Portugal]]></category>
		<category><![CDATA[POSITION]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir sprachen im Juli 2020 mit Alfonso Sabença von der Kommunistischen Jugend Portugals (JCP) über die liberale Drogenpolitik seines Heimatlandes, deren Auswirkungen auf die Jugend und eine marxistische Analyse von Drogen und deren Zweck und Nutzen in einer kapitalistischen Gesellschaft POSITION: Die Regierung in Portugal propagiert seit Jahren eine liberale Drogenpolitik. Wie ist eure Position [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.sdaj.org/2020/08/30/drogen-sind-werkzeuge-der-herrschenden/">„Drogen sind Werkzeuge der Herrschenden“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.sdaj.org">SDAJ</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p lang="de-DE" align="justify"><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-DE">Wir sprachen im Juli 2020 mit Alfonso Saben</span>ça von der Kommunistischen Jugend Portugals (JCP) über die liberale Drogenpolitik seines Heimatlandes, deren Auswirkungen auf die Jugend und eine marxistische Analyse von Drogen und deren Zweck und Nutzen in einer kapitalistischen Gesellschaft</span></span></span></p>
<p lang="de-DE" align="justify"><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: small;"><b>POSITION: Die Regierung in Portugal propagiert seit Jahren eine liberale Drogenpolitik. Wie ist eure Position dazu?</b></span></span></span></p>
<p lang="de-DE" align="justify"><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Gill Sans MT, serif;"><span style="font-size: small;">AS: Die Gesetze, welche zurzeit herrschen, sind der Realität in Portugal angemessen. Das Ergebnis ihrer Umsetzung ist eindeutig positiv. Trotzdem muss hervorgehoben werden, dass der Kampf gegen die Sucht in Portugal aufgrund der rechten Politik der Regierung und den mangelnden Investitionen nicht weiter vorangeht. Mitte der 90er Jahre waren etwa 100.000 Portugiesen, meist in jungen Jahren, heroinabhängig. Es gab durchschnittlich 360 Drogentote pro Jahr (= 1 Todesfall pro Tag). Der Konsum war ein strafbares Verbrechen – Verhaftungen trugen keine Früchte und eine Strafverfolgung war nicht durchführbar. Die Reaktion des Staates auf die Drogenproblematik kam spät, war durch Ineffizienz sowie durch die „Verteufelung“ des Konsum geprägt: „Drogenabhängige sind Kriminelle“ war jahrelang der Tenor der herrschenden Debatten. </span></span></span></p>
<p lang="de-DE" align="justify"><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Gill Sans MT, serif;"><span style="font-size: small;">JCP und PCP (kommunistische Partei in Portugal) nahmen sich früh der Thematik an und forderten, dass Konsum und Sucht als Probleme der öffentlichen Gesundheit angesehen werden sollten. Nach einer umfangreichen Untersuchung einer Experten-Kommission im Jahr 2000 verabschiedete die Versammlung der Republik (bürgerliches Parlament in Portugal), was die PCP seit Jahren forderte: gesetzliche Entkriminalisierung des Konsum begleitet von einer breiten Palette von Maßnahmen zur Prävention, Behandlung und der sozialen Wiedereingliederung. </span></span></span></p>
<p lang="de-DE"><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Gill Sans MT, serif;"><span style="font-size: small;"><b>Welche Probleme im Zusammenhang mit Drogen und Betäubungsmitteln gibt es in der portugiesischen Jugend oder Gesellschaft aktuell? Provokant gefragt: Hat die liberale Drogenpolitik Erfolge gezeigt oder Drogentote produziert?</b></span></span></span></p>
<p lang="de-DE" align="justify"><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Gill Sans MT, serif;"><span style="font-size: small;">AS: Die Ergebnisse dieser Politik sind sichtbar: 2018 gab es in Portugal 50.000 Drogenabhängige, von denen sich 30.000 in Behandlung befanden. Seit dem Jahr 2000 sind die Zahlen – sowohl der Abhängigen, der Drogentoten und der Infektionen mit HIV/AIDS oder Hepatitis C zurückgegangen. Die Maßnahmen der staatlichen Kräfte gegen den Drogenhandel oder die Geldwäsche zeigen erste positive Effekte. Trotzdem – dies ermittelten neueste Studien – existieren weiterhin besorgniserregende Tendenzen: das durchschnittliche Alter beim Erstkonsum liegt bei 17 Jahren und in Folge der massiven Kürzungen der PSD/CDS-Regierung (rechtskonservative-sozialdemokratische Regierungskoalition von 2002-2005 &amp; 2011-2015) bei der Prävention und Bekämpfung ist ein leichter Anstieg beim Cannabis-Konsum festzustellen. Dies ist insofern besorgniserregend, da 55 Prozent der Personen abhängig seien und mehr als 19 Prozent täglich konsumierten. Durch die gezielte Züchtung der Cannabis-Pflanze stieg der Anteil des psychoaktiven Stoffes THC an, zunehmende Notfälle waren die Folge. Als JCP machen wir daher keinen Unterschied zwischen „weichen“ und „harten“ Drogen und kämpfen diese falschen Vorstellungen Ideen an. </span></span></span></p>
<p lang="de-DE"><span style="color: #000000;">„<span style="font-family: Gill Sans MT, serif;"><span style="font-size: small;"><b>Opium des Volkes“ &#8211; was ist eure marxistische Analyse zu Drogen in einer kapitalistischen Gesellschaft? </b></span></span></span></p>
<p lang="de-DE" align="justify"><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Gill Sans MT, serif;"><span style="font-size: small;">AS: Drogen waren schon immer Werkzeuge der Herrschenden, um die Masse der Ausgebeuteten zu entfremden und mundtot zu machen. Die vorgenommene „Liberalisierung“ in Portugal scheint daher lediglich den Herrschafts- und Bereicherungsbestrebungen der großen Monopole zu entsprechen.</span></span></span></p>
<p align="justify">Vor dem Hintergrund der Verschlechterung der Lebensbedingungen der Arbeiterklasse in Folge einer neuen Krise des Kapitalismus (nach 2007 ff. sowie in Folge der Covid-19 Pandemie) sind die Gefahren, die die „Liberalisierung“ mit sich bringt, in dieser Hinsicht, nicht abzuschätzen. Die Antwort muss in einer alternativen Politik bestehen: Stärkung des staatlichen Gesundheitssystemes, Beseitigung der sozialen Faktoren, die zum Drogenkonsum führen (wie der Arbeitslosigkeit), kurzum: eine politische Antwort, die die Produktion anregt, die nationale Souveränität gewährleistet und das Wohlergehen der arbeitenden Masse sichert – eine Antwort, die nur die PCP in Portugal anstrebt.</p>
<p lang="de-DE" align="justify"><span style="font-family: Times New Roman, serif;">Das Interview führte Luca (Frankfurt). </span></p>
<p lang="de-DE" align="justify">Dieses Interview erschien in der aktuellen Position, dem Magazin der SDAJ.</p>
<p lang="de-DE" align="justify">Nochmal zur Info:</p>
<p lang="de-DE" align="justify"><span style="font-family: Times New Roman, serif;">Die portugiesischen GuG sind nicht für eine Rekriminalisierung, kritisieren aber, dass mit der Liberalisierung keine ausreichende Stärkung des Gesundheitssystems einhergegangen sei und die Ursachen für Drogenkonsum nicht angetastet worden seien, weshalb die Liberalisierung in der Form auch dem Machterhalt der Monopolisten diene.</span></p>
<p lang="de-DE" align="justify"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"> </span></p>
<p lang="de-DE" align="justify">
<p>Der Beitrag <a href="https://www.sdaj.org/2020/08/30/drogen-sind-werkzeuge-der-herrschenden/">„Drogen sind Werkzeuge der Herrschenden“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.sdaj.org">SDAJ</a>.</p>
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		<title>Die endlose Debatte</title>
		<link>https://www.sdaj.org/2020/08/28/die-endlose-debatte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Aug 2020 10:54:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 3/2020]]></category>
		<category><![CDATA[POSITION – Magazin der SDAJ]]></category>
		<category><![CDATA[Cannabis]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen und Rausch]]></category>
		<category><![CDATA[Gras]]></category>
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		<category><![CDATA[Legalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[neue Position]]></category>
		<category><![CDATA[POSITION]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit Jahrzehnten wird in Deutschland die Legalisierung von Cannabis diskutiert. Wer verfolgt damit eigentlich welche Interessen? Der Schwarzmarkt für Cannabis floriert in Deutschland. Laut dem Deutschen Hanfverband kiffen hierzulande vier Millionen Menschen – so viele wie noch nie. Gerade unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist der Konsum von Cannabisprodukten weit verbreitet, der Verkauf ist ein [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Jahrzehnten wird in Deutschland die Legalisierung von Cannabis diskutiert. Wer verfolgt damit eigentlich welche Interessen?</p>
<p>Der Schwarzmarkt für Cannabis floriert in Deutschland. Laut dem Deutschen Hanfverband kiffen hierzulande vier Millionen Menschen – so viele wie noch nie. Gerade unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist der Konsum von Cannabisprodukten weit verbreitet, der Verkauf ist ein Milliardengeschäft. Und spätestens seit Ende der 1960er Jahre wird eine breite gesellschaftliche Debatte über die Vor- und Nachteile einer Legalisierung bzw. Entkriminalisierung geführt.</p>
<h6>Warum ist Cannabis in Deutschland überhaupt verboten?</h6>
<p>Die gesetzliche Regulierung von Cannabisprodukten hat in Deutschland keine besonders durchdachte Tradition. Nach einer Verfügung des deutschen Kaisers, Wilhelm I. im Jahr 1872 wurde der Verkauf von Gras auf Apotheken beschränkt. Vorher gab es keinerlei gesetzliche Regelungen und trotz der Verordnung wurde Cannabis damals von ÄrztInnen vielfach als Schmerzmedikament eingesetzt. Bestrebungen Cannabis zu verbieten gab es erst seit dem frühen 20. Jahrhundert. Damals gründete sich die “Internationale Opiumkonferenz”, deren Name schon offenbart, dass Cannabisprodukte nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit standen. Ziel dieser war zunächst die Eindämmung der um-sich-greifenden Opiatsucht. Auch das deutsche Kaiserreich war an den Debatten beteiligt, doch federführend waren andere. Diese Rolle kommt in Bezug auf Cannabis den USA zu: Im Zuge der “Reefer Madness”-Diskussionen wurden mexikanische ImmigrantInnen, unter denen Cannabiskonsum relativ weit verbreitet war, als Hauptschuldige für den “Verfall von Sitte und Moral” unter amerikanischen Jugendlichen ausgemacht. <strong>Ein wichtiges Argument für das Verbot von Cannabisprodukten geht also zurück auf rassistische Diskriminierung.</strong><br />
Jedoch ging auch eine breite Propagandakampagne über angebliche Risiken vom amerikanischen Kapitalisten William Randolph Hearst aus. Dieser fürchtete weniger die berauschende Wirkung von Cannabis als vielmehr die Bedrohung seiner holzbasierten Papierproduktion durch billigeres, umweltverträglicheres und stabileres Hanfpapier. Da er die größte Zeitungskette der Vereinigten Staaten besaß, war es ihm ein Leichtes, die Bevölkerung von der angeblichen Gefahr des Kiffens zu überzeugen. Aber auch die Pharma-Industrie, die Tabakkonzerne und vor allem die Baumwolllobby haben massiv auf ein Verbot des “Konkurrenzrohstoffes” Hanf gedrängt.<br />
Nach dem die Internationale Opiumkonferenz 1925 u.a. das Verbot von Cannabis durch ihre Mitgliedsstaaten beschloss, setzte der Reichstag dies 1929 mit dem Vorläufer des heutigen, 1972 beschlossenen Betäubungsmittelgesetzes um. Damit war Cannabis erstmals illegal. Im Zuge der jetzigen Debatte gibt es aber zumindest einen Fortschritt zu bemerken: Seit 2017 sind Cannabisprodukte in Deutschland als Arzneimittel zugelassen, auch wenn Krankenkassen die Kosten oft nicht übernehmen und die Apotheken oftmals von Schwierigkeiten bei der Beschaffung geplagt sind.</p>
<h6>Wer profitiert von der Kriminalisierung? Wer würde von der Legalisierung profitieren?</h6>
<p>Die heutigen Profiteure der Kriminalisierung unterscheiden sich erstaunlich wenig von jenen, die damals auf ein Verbot hinarbeiteten. Neben den Alkoholmonopolen als Produzenten des ökonomisch wichtigsten Rauschmittels in Deutschland, sind dies z.B. Unternehmen aus der Textil-, Papier- und Plastikproduktion, wo Nutzhanf als Grundstoff vielfach sogar effektiver und vor allem umweltverträglicher wäre. Cannabisprodukte werden in den letzten Jahren aber auch vermehrt als Ersatz zu herkömmlichen Arzneimitteln eingesetzt. Gerade in der Behandlung von SchmerzpatientInnen können dabei immer wieder Erfolge erzielt werden, die sich selbst mit starken herkömmlichen Schmerzmitteln wie Opiaten nicht einstellen. Damit haben auch Pharmakonzerne, die ebensolche Schmerzmittel produzieren, die sich oft weit teurer verkaufen lassen als Cannabis, ein Interesse an einer fortschreitenden Kriminalisierung.<br />
Die KonsumentInnen in Deutschland beziehen ihr Gras hauptsächlich von Straßendealern, die wiederum bei Großdealern einkaufen. Das Gras kommt vor allem aus Marokko und Afghanistan über die Niederlande nach Deutschland. Durch die Kriminalisierung des Verkaufs von Cannabis bilden sich oft mafiöse Strukturen, die zur Steigerung des Gewinns das Gras manchmal mit gefährlichen Zusatzstoffen versehen, um das Verkaufsgewicht zu erhöhen. Von einer Legalisierung würden also zunächst die KonsumentInnen profitieren, die sich durch eine dann mögliche Kontrolle der Substanzen keine Sorgen um schwerwiegende Gesundheitsschäden machen müssten. Mafiösen Strukturen würde die Existenzgrundlage entzogen. Des Weiteren könnte der medizinische Nutzen besser erforscht werden, was aktuell nur mit selten erteilten Sondergenehmigungen möglich ist. Kaum erforscht ist zum Beispiel die mögliche positive Wirkung von Cannabis bzw. von einzelnen Inhaltsstoffen gegen psychische Erkrankungen.<br />
Auch der deutsche Staat und die SteuerzahlerInnen würden massiv entlastet werden. Die Strafverfolgung von Cannabisdelikten verschlingt Milliarden, die man viel sinnvoller für Suchtprävention und -betreuung ausgeben könnte, wie es zum Beispiel in Portugal seit der vollständigen Dekriminalisierung der Fall ist. Zusätzlich erwarten Studien Steuereinnahmen aus dem legalen Cannabisverkauf in Milliardenhöhe.</p>
<h6>Wird das Kiffen nun legal oder nicht?</h6>
<p>Aufgrund der ökonomischen Macht der Kapitalfraktionen, die sich zum Schutz ihrer Profitinteressen gegen eine Legalisierung aussprechen, und der althergebrachten ideologischen Überzeugung vieler reaktionärer Teile der bürgerlichen Politik von der Notwendigkeit eines Verbots aller Rauschmittel, die keine “Kulturgüter” wie Alkohol seien, tut sich die deutsche Politik schwer damit, den positiven Beispielen im Umgang mit Cannabis, wie sie durch die Dekriminalisierung in Ländern wie Portugal, den Niederlanden, Kanada und mittlerweile auch weiten Teilen der USA erbracht wurden, zu folgen.<strong> Letztendlich hängt es also von der Macht der rivalisierenden Kapitalfraktionen und vom sozialen Druck auf die Politik durch PatientInnen und KonsumentInnen ab, ob Cannabis in Deutschland legal wird.</strong> Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht absehbar.</p>
<p>Flo, Düsseldorf</p>
<h6>Dazu noch folgende Infos:</h6>
<p>Aber ist das Kiffen denn nicht gefährlich?</p>
<p>In der öffentlichen Debatte hört man oft, dass Cannabiskonsum zur Abhängigkeit führen kann und vor allem als sogenannte Einstiegsdroge den Weg zu anderen, härteren Drogen öffnet. Dazu ist zunächst zu bemerken, dass sich regelmäßiger Cannabiskonsum sehr wohl zu einer psychischen Abhängigkeit entwickeln kann. Das Suchtpotenzial ist bei Cannabis aber viel geringer als bei Alkohol und Nikotin und ein physisches Abhängigkeitspotenzial konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Außerdem ist längst klar, dass Suchtkrankheiten hauptsächlich bei Menschen entstehen, die sozial benachteiligt und ausgegrenzt sind, die unter enormen Stress durch die Arbeit oder Geldsorgen stehen oder psychische Vorerkrankungen haben. Eine effektive Suchtprävention bedeutet also nicht das Verbot von potenziell suchtgefährdenden Substanzen, sondern die Beseitigung sozialer Faktoren, die Menschen zum übermäßigen Konsum von Rauschmitteln treiben. Als Einstiegsdroge fungiert Cannabis zudem nur durch die bestehende Kriminalisierung. Straßendealer verkaufen meist nicht nur Gras, sondern eben auch härtere Substanzen. Würde Raum für kontrollierten Verkauf von Cannabisprodukten geschaffen, würden die KonsumentInnen seltener in Kontakt mit anderen Substanzen kommen &#8211; schließlich kann man in einem Coffeeshop kein Heroin kaufen.</p>
<p>Dieser Artikel erschien in der aktuellen Position, dem Magazin der SDAJ.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.sdaj.org/2020/08/28/die-endlose-debatte/">Die endlose Debatte</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.sdaj.org">SDAJ</a>.</p>
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