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	<title>KiTa Archive - SDAJ</title>
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	<title>KiTa Archive - SDAJ</title>
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		<title>Einige für Alle</title>
		<link>https://www.sdaj.org/2016/03/06/einige-fuer-alle-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Mar 2016 14:48:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 1/2016]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2016/01/Kita_Streik_Dresden_Mai_2015.jpg" rel="attachment wp-att-6307"><img decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-6307" src="/wp-content/uploads/2016/01/Kita_Streik_Dresden_Mai_2015-300x219.jpg" alt="Kita_Streik_Dresden_Mai_2015" width="300" height="219" srcset="https://www.sdaj.org/wp-content/uploads/2016/01/Kita_Streik_Dresden_Mai_2015-300x219.jpg 300w, https://www.sdaj.org/wp-content/uploads/2016/01/Kita_Streik_Dresden_Mai_2015-768x561.jpg 768w, https://www.sdaj.org/wp-content/uploads/2016/01/Kita_Streik_Dresden_Mai_2015.jpg 800w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>Solidarische Konsequenzen des S&amp;E-Streik</p>
<p>Auch wenn sie in manchem Jahresrückblick verschwiegen wurden: 2015 war das Jahr der KollegInnen der Sozial-und Erziehungsberufe. Sie haben gestreikt. Lange. Ausgerechnet die ErzieherInnen. Dass es klassische Frauenberufe waren, die in den Ausstand traten, fiel auf. Das hatte spürbare Auswirkungen auf die Debatten um Arbeitsbedingungen auch in anderen weiblich dominierten Berufen. Denn wenn es möglich ist, einen Streik trotz der Fürsorgepflicht gegenüber kleinen Kindern zu organisieren, müsste das für Patienten oder alte Menschen doch genauso gelten. Es wurde klar: Arbeit unter schlechten Bedingungen schadet Allen! ErzieherInnen, genauso wie Eltern und letztlich auch den Kindern. Der Streik hatte Vorbildcharakter, wegen seiner Länge, wegen der Einbeziehung sehr vieler KollegInnen, vor allem aber weil er in einem Bereich stattfand, in dem Dienst am Menschen geleistet wird.<br />
In dieser Besonderheit steckt aber auch das größte Problem: Gestreikt wurde nicht in der Industrie, in der Produktion. Als Folge dessen konnte kein direkter, ökonomischer Druck aufgebaut werden. Im Gegenteil, die Kommunen, die Gegner in der Streikauseinandersetzung, sparten sogar Geld. Das zwang auch zu einem Nachdenken über alternative Aktionsformen. Neben öffentlichkeitswirksamen Aktionen wurde klar, dass der Kampf der sozialen Berufe um Aufwertung letztlich nicht alleine geführt werden kann. Zwar waren es nicht die Beschäftigten der großen Industriestandorte, die in den Streik traten. Aber es waren die Kindertagesstätten ihrer Kinder, die streikbedingt geschlossen blieben. So war es dann auch folgerichtig, dass auf den Streikkundgebungen, etwa in Nürnberg, vom Streik betroffene Mütter als Kolleginnen der IG-Metall den Streikenden ihre Solidarität aussprachen. Doch wenn die Streiks in den sozialen Bereichen in Zukunft nicht nur geführt, sondern auch gewonnen werden sollen, müssen derartige Solidaritätsaktionen auch auf betrieblicher Ebene vorangetrieben werden. Es muss klar werden: Der Bereich der Kinderbetreuung ist nicht das Privatproblem der Eltern und die Arbeitsbedingungen im S&amp;E-Bereich nicht nur das Anliegen der dort arbeitenden KollegInnen. Es muss diskutiert werden, wie zukünftige Auseinandersetzungen im S&amp;E-Bereich durch andere KollegInnen, z.B. der Metall-und Elektroindustrie, unterstützt werden können, denn das liegt auch in deren Interesse. Wieso muss der Kampf der S&amp;E-KollegInnen für bessere Arbeitsbedinungen auf Kosten der Eltern gehen? Warum sollten sie gezwungen sein, ihren ganzen Jahresurlaub aufzubrauchen? Die finanziellen Lasten müssten von den Unternehmern anderer Branchen getragen werden, die davon profitieren, dass Eltern ihnen ihre Arbeitskraft verkaufen, während anderswo ihre Kinder betreut werden. In dem Moment, wo erkämpft werden kann, dass die Streiks auf Kosten dieser Unternehmer und eben nicht auf die der dort Beschäftigten gehen, stellt sich auch die Frage nach dem ökonomischem Druck der Streiks im sozialen Bereich ganz neu. Dabei finden branchenübergreifende Solidaritätsstreiks natürlich nicht von heute auf morgen statt. Aber das Nachdenken über die nächsten Schritte auf diesem Weg, etwa durch das Angleichen von Tarifrunden und der Tarifvertragslaufzeiten, oder auch das Abhalten von Betriebsversammlungen parallel zu Streikkundgebungen anderer Branchen sollte eine wesentliche Konsequenz aus dem S&amp;E-Streik sein.</p>
<p>Tatjana, Rostock</p>
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		<title>Doppelte Bauchschmerzen</title>
		<link>https://www.sdaj.org/2016/02/17/doppelte-bauchschmerzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Feb 2016 13:08:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 1/2016]]></category>
		<category><![CDATA[Betrieb und Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[POSITION – Magazin der SDAJ]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[KiTa]]></category>
		<category><![CDATA[SuE]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Stefan Mayer, 20 Jahre alt, arbeitet bei einer städtischen Einrichtung im südddeutschen Raum im Hort. Ich arbeite jetzt seit einem Jahr bei dieser städtischen Kita. Meine Arbeit macht mir Spaß, aber ich bekomme jeden Tag mehr Bauchschmerzen, weil die Arbeitsbedingungen für mich selber immer schlechter werden und ich mir schwer vorstellen kann wie ich später [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Stefan Mayer, 20 Jahre alt, arbeitet bei einer städtischen Einrichtung im südddeutschen Raum im Hort.</p>
<p>Ich arbeite jetzt seit einem Jahr bei dieser städtischen Kita. Meine Arbeit macht mir Spaß, aber ich bekomme jeden Tag mehr Bauchschmerzen, weil die Arbeitsbedingungen für mich selber immer schlechter werden und ich mir schwer vorstellen kann wie ich später mit meinem Gehalt einmal eine Familie ernähren können soll. Aber auch, weil die Bedingungen für die Kinder, die ich betreue, immer schwieriger werden. Das liegt an dem zunehmenden Leistungsdruck, der von den Schulen kommt. Die Kinder müssen immer mehr können, wenn sie in die Schule gehen. Zeitgleich stellen wir aber fest, dass die Kinder von zu Hause immer weniger mitbringen. Es gibt viel mehr Eltern, die in Hartz IV leben müssen oder mit prekären Arbeitsbedingungen und die wegen des Arbeits- oder Ämterwahnsinns keine Zeit mehr haben, den Kindern eine ausreichende Förderung zu bieten.</p>
<p>Wir erleben eine sehr starke Selektion in arme und reiche Kindergärten. Kindergärten, in denen die Eltern sich engagieren, und das sind immer die Kindergärten, in denen Eltern Geld und Zeit haben sich einzubringen, bekommen ausreichend neue Ausstattungen und Förderungen. Kitas, in denen eher sozial schwache Familien oder Kinder mit Migrationshintergrund sind, bekommen gar nichts. Das äußert sich dann ganz konkret. Bei mir in der Kita haben wir Teppiche, die über zwanzig Jahre alt sind, und auf denen sieht man noch Pissflecken, die fast genauso alt sind. All das zusammen hat dann auch zur großen Streikbeteiligung im SuE-Streik 2015 geführt.</p>
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		<title>Wer zahlt die Rechnung?</title>
		<link>https://www.sdaj.org/2015/10/10/wer-zahlt-die-rechnung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Oct 2015 09:07:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betrieb und Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kommune und Wohnen]]></category>
		<category><![CDATA[POSITION – Magazin der SDAJ]]></category>
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		<category><![CDATA[Kommunen]]></category>
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		<category><![CDATA[Streik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Warum es bei den Sozial- und Erziehungsdiensten nicht einfach um mehr Lohn geht Die Kommunen der Bundesrepublik sind verschuldet, derzeit mit fast 120 Milliarden €. Das ergibt (konservativ gerechnet) mindestens 3 Mrd. € Zinseinnahmen für die Banken, die sich dieses Geld gerade fast zum Nulltarif-Zins bei der Europäischen Zentralbank leihen können. Die Verschuldung ist kein [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Times New Roman,serif"><span style="font-size: medium"><img decoding="async" class="alignright size-full wp-image-6133" src="/wp-content/uploads/2015/10/cover.jpg" alt="cover#5" width="160" height="227" />Warum es bei den Sozial- und Erziehungsdiensten nicht einfach um mehr Lohn geht</span></span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman,serif"><span style="font-size: medium">Die Kommunen der Bundesrepublik sind verschuldet, derzeit mit fast 120 Milliarden €. Das ergibt (konservativ gerechnet) mindestens 3 Mrd. € Zinseinnahmen für die Banken, die sich dieses Geld gerade fast zum Nulltarif-Zins bei der Europäischen Zentralbank leihen können. Die Verschuldung ist kein Zufall, sondern politisch gewollt. Alle Bundesregierungen haben seit dem Jahr 2000 die Steuersätze zu Gunsten der Reichen und Konzerne gesenkt. Die gleichen Parteien haben zusätzlich etliche Milliarden in die Bankenrettung gesteckt und durch Kurzarbeit und direkte Unterstützungen vielen Unternehmen in der Krise die Profite gerettet. Wenn aber gleichzeitig die „schwarze Null“ im Haushalt erreicht werden soll, muss das Geld irgendwo herkommen. In NRW hat man den Anteil der Kommunen am Steueraufkommen von 28,5% (1984) auf 21,8% verringert, von 2003 bis 2014 stiegen aber die Sozialausgaben der Kommunen von 30 Mrd. € auf über 78 Mrd. €, weil die jetzt Leistungen bezahlen müssen, die vorher der Bund übernahm. Sprich: Das Problem wird an die Kommunen weitergereicht und während der Bund einen ausgeglichenen Haushalt hat, sind die Kommunen gezwungen öffentliches Eigentum zu privatisieren, radikal zu kürzen und Personal abzubauen. Die Ironie ist: Keine Kommune wehrt sich dagegen, alle setzen die Maßnahmen bereitwillig um. Auch sie haben die Haltung: Lieber Löhne und Gehälter kürzen, Eigentum privatisieren und Leistungen bei Bildung und Kultur streichen, als an die Profite der Unternehmen zu gehen.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman,serif"><span style="font-size: medium">In der Tarifauseinandersetzung im Sozial- und Erziehungsdienst sind häufig die Kommunen der Arbeitgeber. Eben die Arbeitgeber, die wochenlang überhaupt kein Angebot machten und dann eines vorlegten, das so kümmerlich war, dass man das Papier, auf dem es geschrieben stand, von den „Lohnerhöhungen“ nicht hätte bezahlen können. Das alles zeigt: Diese Auseinandersetzung ist keine normale Tarifrunde. Es geht hier um nicht weniger als die Frage wer die Folgen der Krise bezahlt. Während die Unternehmen in der Krise gerettet wurden, arbeiten die Kolleginnen und Kollegen in den KiTas und Betreuungseinrichtungen bis zum Anschlag und nicht selten auch darüber hinaus. Während laut Beratungsunternehmen Ernst &amp; Young die Gewinne der zehn größten Banken in Europa im ersten Halbjahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 73 % auf insgesamt 29 Mrd. explodierten, fehlt es bei den Beschäftigten an Material, an Zeit, an entsprechender Bezahlung, an Personal – es fehlt an allem. Das ist Auspressen der arbeitenden Bevölkerung. Das ist Klassenkampf von oben. Die Antwort der Beschäftigten darauf war Streik. Das ist ein Sich-wehren gegen eine unerträgliche Situation. Das ist Klassenkampf von unten. Das ist richtig und dabei haben sie unsere Unterstützung verdient. Sie kämpfen nicht nur für mehr Geld, sondern auch für bessere Betreuung, sie kämpfen also auch für die Eltern. Sie kämpfen für die Anerkennung harter Arbeit, also auch für alle anderen, die nicht wie ein Manager der deutschen Bank ein paar Tausender in der Stunde verdienen. Sie kämpfen für die Aufwertung der klassischen Frauenberufe, also für Emanzipation.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman,serif"><span style="font-size: medium">Jens, Nürnberg &amp; Jann, Essen</span></span></p>
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		<item>
		<title>Noch lange nicht am Ende</title>
		<link>https://www.sdaj.org/2015/10/08/noch-lange-nicht-am-ende/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Oct 2015 09:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betrieb und Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[POSITION – Magazin der SDAJ]]></category>
		<category><![CDATA[ErzieherInnen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[KiTa]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarität]]></category>
		<category><![CDATA[Streik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Streiks in den Sozial- und Erziehungsdiensten. Eine Reportage. Der Lärm ist ohrenbetäubend. An eine Unterhaltung ist im Augenblick nicht zu denken. 20.000 Streikende sind zur Streikdemonstration der Beschäftigten in den Sozial- und Erziehungsdiensten (S&#38;E) nach Düsseldorf gekommen. Das sind 10.000 mehr als die Gewerkschaft erwartet hatte – und alle scheinen mindestens eine Trillerpfeife, Ratsche [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2015/10/httpspixabay.comenchild-care-worker-crying-babies-624742.png"><img decoding="async" class=" wp-image-6128 size-full alignleft" src="/wp-content/uploads/2015/10/httpspixabay.comenchild-care-worker-crying-babies-624742.png" alt="httpspixabay.comenchild-care-worker-crying-babies-624742" width="262" height="193" /></a></p>
<p lang="de-DE">Die Streiks in den Sozial- und Erziehungsdiensten. Eine Reportage.</p>
<p>Der Lärm ist ohrenbetäubend. An eine Unterhaltung ist im Augenblick nicht zu denken. 20.000 Streikende sind zur Streikdemonstration der Beschäftigten in den Sozial- und Erziehungsdiensten (S&amp;E) nach Düsseldorf gekommen. Das sind 10.000 mehr als die Gewerkschaft erwartet hatte – und alle scheinen mindestens eine Trillerpfeife, Ratsche oder ähnliches mitgebracht zu haben. Als die zuständige Landesministerin (SPD) spricht, drehen sich viele um. Die Rede besteht aus Lippenbekenntnissen. „Wir wollen Taten sehen“, rufen ihr Tausende entgegen. Wer dachte, man hätte es hier mit lieb-naiven Tantchen zu tun, die von 9-15 Uhr mit ein paar Kindern spielen, wird eines besseren belehrt: 20.000 starke (fast ausschließlich) Frauen, die genau wissen was sie wollen: Eine Aufwertung ihrer Arbeit. Das Selbstbewusstsein, das sie dabei ausstrahlen, ist fast mit Händen greifbar.</p>
<p lang="de-DE">Die Vorgeschichte</p>
<p lang="de-DE">Vier Wochen lang wurde gestreikt, flächendeckend, in ganz Deutschland und im Laufe der Zeit konnte der Streik sogar noch ausgeweitet werden, weil sich immer mehr Beschäftigte angeschlossen haben. „Die Dynamik, die dieser Streik hatte, ist ohne den Tarifabschluss von 2009 nicht zu verstehen.“, erzählt Christa, Leiterin einer Kindertagesstätte in Nürnberg. Das Ergebnis war von vielen als sehr negativ bewertet worden. Gleichzeitig nimmt der Druck auf die Beschäftigten ständig zu und es fehlen viele ausgebildete Kräfte. Immer mehr Aufgaben müssen bewältigt werden – ohne mehr Personal, ohne mehr Mittel, ohne entsprechende finanzielle Anerkennung und ohne die Vorbereitungszeit zu berücksichtigen. „Das hat viele Kolleginnen auf die Palme gebracht und dann eben auch auf Straße.“</p>
<p lang="de-DE">Vorbildcharakter</p>
<p lang="de-DE">Trotzdem ist ein Streik in diesem Bereich schwieriger. Normalerweise kostet ein Streik das Unternehmen Geld. Das ist im sozialen Bereich anders. Die kommunalen Arbeitgeber müssen während des Streiks keinen Lohn zahlen. Das entlastet die Haushalte sogar. Immer wieder kommt auch das Argument, der Streik werde auf Kosten der Eltern und Kinder ausgetragen. Dabei haben viele für den Streik großes Verständnis &#8211; vielleicht ein Grund, warum die BILD 250€ pro Negativbericht von Eltern über den Streik zahlte. „Wir haben sehr viel Solidarität von Seiten der Eltern erlebt“, berichtet Konni, Erzieher und Betriebsrat in Trier.. „Bevor der Streik losging, haben wir die Eltern über eine Info-Zeitung informiert. Als sie vom Streik hörte, kam eine Mutter auf mich zu und sagte: `Wir bekommen in der Pflege auch so wenig und die Arbeitsbedingungen sind auch scheiße. Das ist total super, dass ihr jetzt kämpft`.“ Der Streik hat Vorbildcharakter für andere Bereiche. Er beweist schon jetzt: Es geht! Es ist möglich im sozialen Bereich zu streiken. Obwohl die Belegschaft wollte, wird Konnis Einrichtung schlussendlich überhaupt nicht zum Streik aufgerufen. Denn obwohl das Geld von der Stadt kommt und auch nach Tarifvertrag gezahlt wird, ist der offizielle Träger eben nicht die Stadt. Das ist bei den meisten KiTas in Deutschland so. „Rechtlich ist das eine unklare Situation.“, meint Konni, „und übrigens ein Riesen-Skandal! Wir sind direkt von der Auseinandersetzung betroffen, dürfen aber nicht streiken.“ Hintergrund ist das restriktive deutsche Streikrecht. Während in anderen Ländern Solidaritäts- oder politische Streiks möglich sind, darf in Deutschland nur innerhalb einer Tarifauseinandersetzung gestreikt werden – und selbst dann nicht immer – wie bei Konni.</p>
<p lang="de-DE">Notwendige Solidarität</p>
<p><span lang="de-DE">In Hamburg haben Eltern die Initiative „Eltern-in-Solidarität“ ins Leben gerufen. Sie unterstützen den Streik, „zum Beispiel indem wir in den Räumlichkeiten unserer KiTa als Eltern eine Betreuung organisiert. Dabei war es uns wichtig deutlich zu machen, dass wir das explizit als Unterstützung des Streiks sehen.“, erzählt Jella, eine der Organisatorinnen. Der Streik trifft die Eltern natürlich. Für viele ist es sehr kompliziert alternative Betreuungsmöglichkeiten zu finden. Um ihre Solidarität auszudrücken und größere Öffentlichkeit zu schaffen, hat die Eltern-Initiative einen Offenen Brief verfasst, verteilt und in vielen KiTas ausgehängt. Darin machen sie auch klar: Die Kommunen versuchen den Streik auf dem Rücken der Eltern auszusitzen, in der Hoffnung, dass die Streikenden irgendwann unter dem öffentlichen Druck einknicken und aufgeben. Auch hier zeigt sich die politische Dimension dieses Streiks: Wer entscheidet eigentlich wofür Geld ausgeben und wo welches eingenommen wird? „B</span>is 2013 hat die Dauerbaustelle Elbphilharmonie 789 Millionen Euro Steuergeld verschlungen; für die Olympia-Bewerbung werden jetzt viele Millionen an öffentlichen Mitteln ausgegeben und eingeplan<span lang="de-DE">t.“, schreiben die Eltern im Offenen Brief. „Wir fordern die Eltern auf sich ihre Gebühren zurückzuholen. Wenn die Träger während des Streiks keine Betreuung bieten, warum sollten die Eltern dann zahlen? Wir streiken für bessere Betreuung der Kinder. Die kommunalen Arbeitgeber sind für die Misere verantwortlich.“, erklärt Christa. Die Rückforderung der Gebühren ist gut für die Eltern und zusätzlich eine wichtige Unterstützung für den Streik – auf diese Weise geht es den kommunalen Arbeitgebern doch ans Geld und das übt Druck aus. „Und nur so als Idee: Wenn die Betreuung in der KiTa nicht gewährleistet ist, würde ich mein Kind im Rathaus abgeben und da betreuen lassen. Am besten gemeinsam mit anderen und die Presse dazu einladen.“ sagt Christa und lacht.</span></p>
<p lang="de-DE">Ablehnung der Schlichtung</p>
<p lang="de-DE">Nach vier Wochen Streik riefen die Arbeitgeber die Schlichtung an und die Streiks mussten vorerst beendet werden. Bei einer Schlichtung soll ein Kompromiss gefunden werden, um die Auseinandersetzung beilegen zu können. „Das war aber kein Kompromiss, das war ein Schlag ins Gesicht“, berichtet Inga aus Frankfurt, Sozialarbeiterin und Delegierte zur Streikdelegiertenkonferenz, auf der die Schlichtung abgelehnt wurde. Für die große Mehrheit der Streikenden war der Vorschlag genau nicht das, wofür sie wochenlang gekämpft hatten. Gerade die untersten Einkommensgruppen und die jüngeren Beschäftigten wären bei Annahme des Schlichtungsvorschlags nahezu leer ausgegangen. Für einige wenige waren Verbesserungen vorgesehen, aber die Solidarität unter den Kolleginnen hielt an, sie haben sich nicht spalten lassen. Auch die lange Laufzeit von fünf Jahren stieß auf massive Ablehnung – erst dann wären erneute Lohnerhöhungen möglich. „Die Arbeitgeber haben sich keinen Millimeter bewegt, die sind zu keinerlei Zugeständnissen bereit.“, erklärt Inga die Situation. Das hat viele sehr wütend gemacht. „Umso dramatischer ist es, dass sich der ver.di-Vorsitzende Bsirske auf der Streikdelegiertenkonferenz dafür ausgesprochen hat, den Vorschlag anzunehmen. Damit ist er den Streikenden in den Rücken gefallen. Aber wir haben aus 2009 gelernt. Wir werden uns nicht erneut einfach abspeisen lassen.“</p>
<p lang="de-DE">demokratisch und kämpferisch</p>
<p lang="de-DE">Der Streik war bisher auch deshalb so stark, weil viele Gewerkschaftsmitglieder in die Diskussion um Forderungen und Aktionen mit einbezogen wurden. „Hier hat es eine richtige Demokratisierung der Gewerkschaft von unten gegeben. Deshalb ist auch die Streikbeteiligung so hoch.“, erklärt Christa. Die übergroße Mehrheit der Kolleginnen steht fest hinter ihren Forderungen, denn es sind ihre eigenen . Die Stimmung war und ist eindeutig für die Fortsetzung des Streiks, berichten Christa und Inga aus ihren Regionen. Beide hatten vorher auf Konferenzen mit den Kolleginnen über den Vorschlag diskutiert und in beiden Fällen hatten die Streikenden abgestimmt. In beiden Fällen gab es nicht eine Stimme für den Schlichterspruch. Entsprechend groß war die Freude über die Ablehnung, aber auch die Wut auf den „Kompromiss“, den die Arbeitgeber anboten und auch auf die ver.di-Führung, weil die sich für den „Kompromiss“ ausgesprochen hatte. „Diese Wut müssen wir dafür nutzen betriebliche Interessenvertretungen und Vertrauenskörper aufzubauen“, meint Inga, „damit sich keine Resignation ausbreiten kann und wir uns langfristig organisieren. Wir verlangen aber auch, dass sich die Gewerkschaften komplett und umfassend hinter unsere demokratisch beschlossenen Forderungen stellen. Für diese Farce haben wir uns nicht wochenlang den Arsch aufgerissen und einen der größten Streiks der jüngeren Geschichte organisiert.“</p>
<p lang="de-DE">erste Ergebnisse, nächste Schritte</p>
<p lang="de-DE">Bisher war die Beteiligung an den Streiks enorm. In Frankfurt gab es phasenweise jeden Tag Treffen der Streikenden mit diversen Aktionen. Es wurden Einrichtungen besucht, die noch nicht im Streik waren und unzählige neue Mitglieder in die Gewerkschaft aufgenommen. Oft sind die Tage für die Aktiven deutlich länger als acht Stunden. Frankfurt ist dabei kein Einzelfall, sondern die Regel. „Das, was hier passiert ist, kann man kaum in Worte fassen.“, meint Inga. „Dieser Streik ist Gold wert. Wir haben uns organisiert und vernetzt, wir haben Solidarität erfahren, das ist unglaublich, wir sind dabei eine Vertrauensleutestruktur aufzubauen und wir haben viel gelernt. Das alles kann uns niemand mehr nehmen, egal wie diese Auseinandersetzung ausgeht.“ Eine Kollegin sagt: „Wer jetzt noch an Sozialpartnerschaft glaubt, glaubt auch an den Osterhasen.“ Das ist das Ergebnis der konkreten Erfahrungen mit dem Arbeitgeber. „Der ist kein Sozialpartner, der ist ein Schwein.“, so die Kollegin. In der Presse liest man viel über angeblich schwindende Solidarität, über sinkende Streikbereitschaft. Inga hält dem entgegen: „Wir haben gezeigt, dass in diesem Bereich flächendeckende, unbefristete Streiks möglich sind. Wir alles andere als wehrlos sind. . Es gibt gigantische Solidarität von den Eltern und darüber hinaus. Wir werden weiter mit vielen Aktionen in der Öffentlichkeit sein, wir sind da sehr kreativ. Wer diesen Job macht, ist Dauerstress mehr als gewohnt und wir sind noch lange nicht am Ende der Fahnenstange.“ Wenn nicht in dieser, dann in der nächsten Tarifauseinandersetzung.</p>
<p><span lang="de-DE">Jann, Essen</span></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.sdaj.org/2015/10/08/noch-lange-nicht-am-ende/">Noch lange nicht am Ende</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.sdaj.org">SDAJ</a>.</p>
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