Wirtschaftskrise

Ökonomische Krisen, so könnte es schei­nen, sind das Schicksal der Menschheit. Immer wieder hat es Zeiten der Not und des Hungers gegeben, schon das Alte Testament erzählt vom Wechsel der 7 fetten und der 7 mageren Jahre. Hatten also bereits die alten Juden und Ägypter mit Wirtschaftskrisen zu kämpfen? Und warum war Frau Merkel nicht so gut beraten wie der Pharao, der rechtzeitig große Vorratsspeicher anlegen ließ?

Wodurch entstehen Krisen?

Die letzte Frage zeigt, dass wir hier über zwei gänzlich verschiedene Dinge sprechen. Die Menschen in biblischer Zeit, wie die Menschen in allen vergangenen Epochen, litten Hunger, wenn widrige Naturbedingungen die Ernten zerstörten, wenn also zu wenig produziert wur­de. Heute dagegen können schlechtes Wetter oder Insektenplagen zumindest in den Indust­rieländern keine Hungersnöte mehr auslösen. Krisen entstehen nicht dadurch, dass zu wenig produziert wird, sondern „zu viel”. Das Pro­blem ist nicht, dass die Vorratslager leer sind, sondern dass sie zu voll sind. Die Unterneh­men bleiben auf ihren Erzeugnissen sitzen, ein zu hohes Warenangebot drückt die Preise. Fa­briken stellen die Fertigung ein, gehen in Kon­kurs. Jedes Unternehmen, das seine Produktion einschränkt oder aufgibt, zwingt seine Zulie­ferer zu Produktionseinschränkungen oder -aufgaben. Arbeiter und Angestellte, die ihren Job und damit ihr Einkommen verlieren, ge­hen als zahlungskräftige Kunden verloren. Ein Teufelskreis.

Eine kapitalistische Krise ist eine paradoxe An­gelegenheit: Die Menschen verarmen, weil es zu viele Waren gibt. Arbeitslose stehen auf der Straße, weil die Maschinen stillstehen. Not ent­steht durch Überfluss. Man sollte meinen, es sei ein Leichtes, Abhilfe zu schaffen. Wenn die La­ger überquellen und viele Leute arm sind, wa­rum gibt man den Armen nicht die überschüs­sigen Waren? Wenn die Maschinen still stehen, warum lässt man die Arbeitslosen nicht mit den Maschinen arbeiten und nützliche Dinge produ­zieren? Wenn es an Nachfrage mangelt, warum erhöht man nicht die Löhne?

Die Antwort ist einfach: Weil wir im Kapita­lismus leben. Kapitalistische Produktion ist nicht Produktion zwecks Versorgung von Men­schen, kapitalistische Produktion ist Produktion zwecks Erzielung von Profit. Und wenn weitere Produktion keinen Profit bringt, dann wird die Produktion eingestellt, ganz egal, ob die Pro­dukte gebraucht werden oder nicht.

Wege aus der Krise

Wie kommt man aus einer Krise heraus? Im Prinzip gibt es zwei Wege: Der kapitalistische Weg führt über eine so genannte Marktberei­nigung, d.h. über die Zerstörung der „über­schüssigen” Waren, der „überschüssigen” Produktionsmittel, nicht selten auch der „über­schüssigen” Menschen. Sei es durch ökonomi­sche Prozesse oder – effektiver – durch Krieg. Wenn genügend Waren, Fabriken, Menschen zerstört sind, ist der Markt für die Übriggeblie­benen wieder in Ordnung.

Der sozialistische Weg besteht darin, damit auf­zuhören, um des Profites willen zu produzie­ren und damit anzufangen, um der Menschen willen zu produzieren. Für diesen letzteren Weg gibt es derzeit in Deutschland allerdings kaum eine Lobby. Viel zu viele Zeitgenossen glauben immer noch daran, dass nur eine am Profit der Kapitalisten orientierte Produktion den Wohl­stand der Bevölkerung sichern kann. Ein Glau­be, dessen Naivität wohl selbst die Verfasser der Bibel in Erstaunen versetzt hätte.