Inflation/Deflation

Inflation/Deflation bezeichnet das Steigen (Inflation) oder Fallen (Deflation) des allgemeinen Preisniveaus, d.h. mit einer gegebenen Geldsumme können nach einiger Zeit weniger oder mehr Waren erworben werden.

Konjunkturzyklus, Kredit, Geldpolitik

Typischerweise steht die Bewegung der Inflationsrate (Ausmaß der Kaufkraftveränderung des Geldes) in engem Zusammenhang mit dem Konjunkturzyklus. In Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs können die Unternehmen höhere Preise durchsetzen. In Zeiten der Krise müssen die Preise gesenkt werden, um überhaupt noch Waren abzusetzen. Wirtschaftliche Aufschwünge gehen daher in der Regel mit inflationären, schwere Wirtschaftskrisen mit deflationären Entwicklungen einher. Auf der anderen Seite wirkt die Inflation auf die Konjunktur zurück. Bei starker Geldentwertung ist es sinnvoll, Geldvermögen in Sachwerte zu verwandeln bzw. zu investieren. Dies führt zu einer Belebung der Güternachfrage und damit der Konjunktur. In deflationären Situationen ist das Gegenteil der Fall.

Neben dem Konjunkturzyklus haben auch die Geldpolitik und die Kreditvergabe einen Einfluss auf die Entwicklung des Geldwertes. Man benötigt kein Bargeld, um Waren zu erwerben, es genügt, Kredit eingeräumt zu bekommen. Auch kann mit einmal vergebenen Krediten gehandelt werden: Ein Kreditgeber kann einen Schuldschein weiterverkaufen oder gegen Waren eintauschen. Der Schuldschein erfüllt dann eine ähnliche Funktion wie ein Geldschein. Er stellt eine Form von Kreditgeld dar. Eine unverhältnismäßige Ausweitung der Kreditvergabe an Einzelpersonen, Unternehmen und Staaten führt daher, ebenso wie eine zu lockere Geldpolitik der Zentralbank („Gelddruckerei“), zu Inflation. In den vergangenen Jahrzehnten ist die private und staatliche Verschuldung deutlich schneller gewachsen als die realwirtschaftliche Produktion. Dies hat dazu beigetragen, dass das Preisniveau selbst in Zeiten wirtschaftlicher Stagnation angestiegen ist („Stagflation“). Die sogenannte Finanzkrise hat deutlich gemacht, welches Risiko die extreme Aufblähung des Kreditsektors für die Stabilität von Währungen wie Euro oder Dollar bedeutet.

Soziale Folgen

Für die deutsche Geschichte ist die Hyperinflation der Jahre 1921-1923 von besonderer Bedeutung. Sie hat zu seinem Zusammenbruch des Geldsystems geführt: der Wert der Mark sank 1923 auf ein Billionstel seines Wertes von 1914. Die Folgen waren nicht nur massive soziale Verwerfungen, sondern auch eine tiefe politische Krise. – Geldvermögensbesitzer und Bezieher von festen Einkommen werden durch eine Inflation teilweise oder zuweilen sogar gänzlich enteignet. Industrielle Kapitalisten, die Schulden aufgenommen haben, um Sachinvestitionen zu tätigen, können von Geldentwertungen profitieren. Arbeiterinnen und Arbeiter verfügen in aller Regel nicht über größere Geldvermögen; für sie bedeutet Inflation eine Entwertung ihrer tariflich fixierten Löhne. In Deutschland ist es den Gewerkschaften in den vergangenen Jahren nicht gelungen, einen vollständigen Inflationsausgleich durchzusetzen. Die Geldentwertung bewirkte daher ein fortschreitend sinkendes Reallohnniveau und trug damit zur Umverteilung von unten nach oben bei.