Außenhandelsdefizit (USA)

Einige Länder, allen voran Deutschland und die VR China, exportieren seit vielen Jahren wesentlich mehr als sie importieren. Andere Staaten importieren stets mehr Waren als sie exportieren. Unter den letzteren nehmen die USA eine Sonderrolle ein: Sie haben das mit weitem Abstand größte Außenhandelsdefizit der Welt; im Jahr 2008 betrug es 816 Mrd. US-Dollar.

Ein Land, das über einen längeren Zeitraum mehr Waren einführt als es exportiert, kann dies nur tun, wenn ihm Geld (Kapital) aus anderen Ländern zufließt. Die us-amerikani-schen Importüberschüsse werden zum Großteil durch Kredite finanziert, die ausländische Geldgeber den USA bzw. ihren Bürgern, Unternehmen und Banken einräumen. Die Vereinigten Staaten haben mittlerweile Auslandsschulden in Höhe von 13,7 Billionen US-Dollar aufgehäuft.

Abwertung des Dollar

Der Punkt, an dem eine Tilgung dieser Schuldenlast noch ohne katastrophale Konsequenzen für die US-Bevölkerung und für die Weltwirtschaft möglich war, ist längst überschritten. Theoretisch gibt es nur zwei (nichtkriegerische) Möglichkeiten: Erstens eine Exportoffensive der US-Wirtschaft bei gleichzeitiger massiver Senkung der Importe. Eine solche Politik wäre ein schwerer Schlag für eine Weltwirtschaft, die darauf ausgerichtet ist, ihre überschüssigen Waren in die USA zu verkaufen. Die zweite Möglichkeit, und diese scheint derzeit Wirklichkeit zu werden, ist eine drastische Abwertung des Dollars. Da der Dollar nach Ende des 2. Weltkrieges zur Weltwährung wurde, befinden sich die USA in der bequemen Lage, ihre Schulden mit Geld bezahlen zu können, das sie selber drucken. Übertreiben sie es damit, verliert der Dollar seinen Wert.

Seit November 2000 ist der Wechselkurs des Dollar in Verhältnis zum Euro um fast 40% gefallen. Für Personen, Unternehmen und Staaten, die große Teile ihres Vermögens in Dollar halten, kann diese Entwicklung ruinöse Folgen haben. Zudem führt eine solche Entwertung irgendwann notwendig zu einem Rückgang der US-Importüberschüsse – in den USA produzierte Waren werden bei fallendem Dollarkurs verhältnismäßig billiger, außerhalb der USA produzierte teurer. Ausländischen Unternehmen, die direkt oder indirekt in die USA liefern, droht der Verlust ihrer Absatzmärkte. Staaten, deren Wirtschaft (wie die deutsche) auf die Erzielung von Exportüberschüssen ausgerichtet ist, rutschen in die Rezession.

Ende des Imperiums?

Ein fortgesetzter Wertverlust des Dollar stellt irgendwann seine Funktion des als internationaler Leitwährung in Frage; der Weltwirtschaft droht der Verlust ihrer bisherigen monetären Grundlage. Dies hätte nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch unabsehbare Folgen: Die Kontrolle der Weltwährung ist eine wichtige Säule der Macht des US-Imperialismus.

Früher oder später müssen die gewaltigen Ungleichgewichte der Weltwirtschaft durch Prozesse bereinigt werden, die das Potenzial für eine globale Krise immensen Ausmaßes bergen. Die BRD hat mit ihren Exportüberschüssen wie kein zweites Land zum Aufbau dieser Ungleichgewichte beigetragen.