Arbeitslosenstatistik

Einmal monatlich veröffentlicht die Bun­desagentur für Arbeit die offiziell ermittelte Zahl der Arbeitslosen. Die offizielle A. ist ein Instrument der Darstellung der regierungs­amtlichen Sichtweise des Arbeitsmarktes.

Statistik vs. Realität

Im September 2009 gab es in der Bundesrepublik offiziell 3,5 Millionen Arbeitslose. Gewerkschaftsnahe Ökonomen errechnen andere Werte. Die Arbeitsgruppe alternative Wirtschaftspolitik, ein Zusammenschluss kritischer Wirtschafswissenschaftler/innen, schätzt die Zahl der fehlenden Arbeitsplätze auf mindestens 5,6 Millionen.

Die verschiedenen Bundesregierungen, gleichgültig ob von CDU oder SPD geführt, haben die Berechnungsgrundlage der A. im Laufe der Jahre immer wieder „reformiert” und so ihren jeweiligen politischen Bedürfnissen angepasst. Im Ergebnis fallen große Teile der arbeitsuchenden Personen aus der Statistik heraus. Es fehlen unter anderem die Ein-Euro-Jobber/innen, alle Menschen in sogenannten Qualifizierungsmaßnahmen, die 0-Stunden-Kurzarbeiter/innen, die unfreiwilligen Frührentner/innen, die sogenannten „Unvermittelbaren”, die Dauerpraktikant/innen, die mit der Pflege von Angehörigen Beschäftigten, Kranke, mit Sperrzeit sanktionierte Arbeitslose sowie diejenigen, die sich aus Frustration über mangelnde Chancen und schlechte Behandlung gar nicht erst bei den Arbeitsagenturen melden. Auch Frauen, die gerne in ihrem Beruf arbeiten würden, sich aber wegen fehlender Angebote auf die Hausfrauenrolle zurückziehen, kommen nicht vor. Ebenso wenig Asylsuchende, denen die Aufnahme einer bezahlten Tätigkeit verboten ist.

Wozu so eine Statistik?

Die offizielle A. ermöglicht weder eine realistische Aussage über die tatsächliche Zahl der Arbeitssuchenden noch einen sinnvollen Vergleich der Entwicklung über mehrere Jahre. So hat sich nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit die Zahl der registrierten Arbeitslosen in der Zeit von 2001 bis 2008 um 600.000 verringert. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Vollzeitbeschäftigten aber um 1,6 Millionen zurückgegangen. Rechnet man noch die deutliche Zunahme an Zeitarbeitsverhältnissen heraus, dann sind seit 2001 insgesamt ca. 2 Millionen Vollzeitarbeitsplätze verloren gegangen.

Die Arbeitslosen stellen das Drohpotenzial dar, mit dem diejenigen, die noch einen Job haben, zu Zugeständnissen gezwungen werden. Der Vorwand der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit war während der letzten drei Jahrzehnte das zentrale Argument bei allen Einschnitten ins soziale Netz und in die tariflich fixierten Rechte der Arbeiter. Und genau dafür wird die A. gebraucht.

Sie muss einen Spagat vollbringen. Die Zahlen müssen hoch genug sein, um glaubhaft zu bleiben und als Vorwand für den fortgesetzten Sozialraub dienen zu können. Sie müssen indes niedrig genug sein, um das tatsächliche Ausmaß der katastrophalen Entwicklungen am Arbeitsmarkt zu verschleiern. Zu diesem Zweck wird ihre Berechnungsweise regelmäßig verändert. Das Ergebnis ist keine wissenschaftliche Aussage über die soziale Realität in der Bundesrepublik, sondern das, was staatliche Institutionen uns darüber mitteilen wollen.