Dialektiker des Tages: Gregor Gysi

Debatte um Namen der Uni Trier: Es ist Zeit für Marx

Dialektiker der Woche: Gregor Gysi

Die Umbenennung der Uni Trier in Karl-Marx-Universität würde dazu beitragen, den Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus vom „Erbe des staatssozialistischen Marxismus zu befreien“. Und warum müsse Marx von dem Erbe des ersten Versuches, die Gesellschaftsformation des Sozialismus aufzubauen, etwas, wofür er sein Leben lang gekämpft hat, befreit werden?
Weil er Dialektiker war, erklärt uns Herr Gysi. Genau. Und als solcher hätte er sich natürlich dagegen gewehrt, dass die von ihm entwickelte Methode, die Welt zu analysieren und zu verstehen, als Grundlage für den Kampf um eine sozialistische Gesellschaft verwendet wird. Nein, seine revolutionäre Theorie war doch nicht ernsthaft dazu gedacht, dass sie in die Praxis umgesetzt wird. Die Verstaatlichung der Produktionsmittel, die Verwirklichung des Rechts auf Arbeit, Bildung und Gesundheit, die weltweite Unterstützung des Befreiungskampfes der Völker vom Kolonialjoch – von alledem hätte der Nicht-Marxist Marx „mit Sicherheit nichts gehalten“, versichert uns Gysi. Na ein Glück. Befreit von diesem schweren Irrtum, Marx hätte eine Weltanschauung begründet, aus der wir eine revolutionäre Praxis entwickeln können, ist der Weg frei für eine dialektisch-unmarxistische Marx-Betrachtung. Mit dieser ist Gysis Politik, im Zweifel auch mit der CDU zu koalieren, um den Kapitalismus am Laufen zu halten, einen NATO-Austritt als zu radikale Forderung abzulehnen und generell die Systemkonformität seiner sowieso schon reformistischen Partei weiter zu erhöhen, dann sicher bestens zu vereinbaren. Besteht das Ziel Herrn Gysis darin, alles zu tun, um auf keinen Fall ein Marxist zu sein – denn das hätte Marx sicher nicht gewollt – dann kann seiner dialektischen Methode allerdings der Erfolg nicht abgesprochen werden.


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