John Heartfield


Heute vor 85 Jahren wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt. Das war der Beginn von zwölf Jahren faschistischer Terrorherrschaft in Deutschland und Europa. Heute wird angesichts des steigenden Rechtsrucks viel darüber diskutiert, wie es zur Machtübertragung an die NSDAP kommen konnte. Dabei wird leider oft ausgeblendet, dass es vor allem das deutsche Industrie- und Bankkapital war, das aktiv an der faschistischen Herrschaft gearbeitet hat.

So hat z.B. der in München sitzende Konzern Siemens, wie viele andere, auf die Nazis gesetzt. 1931 sprach sich Carl Friedrich von Siemens für eine NSDAP-Regierung aus, weil nur sie die „bolschewistische Gefahr“ erfolgreich bekämpfen könne. Im gleichen Jahr sagte Carl Friedrich von Siemens vor US-Industriellen: „Hitler hat seine wirklichen Anhänger zu starker Disziplin erzogen, um revolutionäre Bewegungen des Kommunismus zu verhindern.“ Siemens-Vorstand Rudolf Bingel war deswegen im „Keppler-Kreis“ aktiv. Das war ein Wirtschafts-Zusammenschluss, der die Nazis finanziert hat und ihnen ihre Interessen ins Stammbuch geschrieben hat. Auch aus der Siemens-Kasse floss Geld an die Nazis. Im November 1932 haben dann wichtige Funktionäre aus dem Kreis, der später „Freundeskreis Reichsführer-SS“ hieß, öffentlich von Hindenburg verlangt Hitler zum Kanzler zu ernennen, wie es dann eben auf den Tag vor 85 Jahren auch umgesetzt wurde.
Carl Friedrich von Siemens wurde im Juli 1933 in den „Generalrat der deutschen Wirtschaft“ berufen. Während der Zeit des deutschen Faschismus, verdiente auch Siemens Milliarden an der Umstellung auf Kriegsproduktion, „arisierte“ den Betrieb und setzte massenhaft Zwangsarbeiter ein. Die meisten der ehemaligen Zwangsarbeiter wurden jedoch nicht entschädigt. Gegen Siemens hatten ehemalige Häftlinge des Siemenslager im KZ Ravensbrück einen Prozess geführt, um endlich Entschädigung zu erwirken, doch dieser wurde wegen Verjährung abgewiesen.

Heute verdient Siemens immer noch im großen Stil, ist bei den Großprojekten des Deutschen Imperialismus mit dabei und wirft alle paar Jahre große Teile seiner Belegschaft raus, um seine Profite zu sichern. Und Siemens ist, wie anfangs gesagt, eben nur einer von vielen deutschen Großkonzernen, mit dieser Geschichte. Max Horkheimer brachte es auf den Punkt, als er sagte: „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen“. Diese Erinnerung wachzuhalten, ist unsere Pflicht als AntifaschistInnen heute. Denn es gilt immer noch zu verwirklichen, was sich die Lagerhäftlinge in Buchenwald geschworen haben: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“


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