Wäre die Ursache von Rassismus alleine Dummheit oder mangelnde Bildung, könnte das Problem viel leichter gelöst werden und wäre weniger hartnäckig. Es besteht ein Zusammenhang zwischen kapitalistischer Produktionsweise und der Konkurrenz, in der alle in ihr zueinander stehen, und dem Rassismus als ideologischer und praktischer Reaktion auf die eigenen (Ohnmachts-)Erfahrungen und Versuch, sich in der Konkurrenz durch ein biologisches Merkmal besserzustellen und durchzusetzen. Rassismus erfüllt in dieser Gesellschaft eine Funktion: er hindert Menschen, die eigentlich die gleichen Interessen haben, daran, diese Interessen auch gemeinsam zu verfolgen, indem er sie spaltet. Das wirkt herrschaftsstabilisierend. Antirassismus, der an die Wurzel des Problems vordringen will, darf sich also nicht damit begnügen, gemeinsam mit der Porsche-Geschäftsführung die Kündigung eines rassistischen Azubis zu bejubeln, sondern muss ein System bekämpfen, zu dessen Opfern sowohl die von Rassismus Betroffenen, als auch der Azubi (wenn auch nicht in gleicher Weise) und zu dessen Profiteuren eben die Geschäftsführung von Porsche gehören. Es gibt kein Wir mit den Bossen, auch nicht im Kampf gegen Rassismus. Im Gegenteil: Rassismus muss in der gemeinsamen solidarischen Aktion überwunden werden – gegen die Bosse. Das entschuldigt keinen einzigen Rassisten, denn Rassismus kann nicht dadurch überwunden werden, dass „Verständnis“, sondern klare Kante gezeigt wird. Aber: Antirassismus darf auch kein Sozialchauvinismus gegen „die Dummen“ und „Ungebildeten“ werden. Damit schiebt man das Problem von sich weg und macht antirassistisches Engagement zu einer Elitenveranstaltung und Rassismus zu einem vermeintlichen Wesensmerkmal des „Pöbels“.