via SDAJ Niedersachsen:…

via SDAJ Niedersachsen:

Leistungsdruck prägt den Schul-Restart in Niedersachsen: Ein Zwölftklässler der SDAJ berichtet von den Problemen an seiner Schule:

"Seit Mitte Mai geht der Präsenzunterricht an unserem Gymnasium schon weiter. Dabei wurde der 12te Jahrgang in A- und B- Gruppen geteilt, sodass jeweils jeden zweiten Tag die eine Gruppe und jeden anderen Tag die andere Gruppe Unterricht hat. Klausuren wurden letzte Woche geschrieben, an jedem Tag wo wir auch in der Schule waren. Zum Glück sind sie nur zwei- anstatt vierstündig gewesen. Das ist erstmal nicht sehr angenehm, aber zumindest verständlich, da sonst nichts hätte benotet werden können und Ersatzleistungen, die theoretisch möglich wären, für die kurze Zeit viel aufwändiger sind.
Was jedoch nicht in Ordnung ist, ist, dass Lehrkräfte – obwohl es ihnen bewusst sein müsste – in allen Fächern weiterhin sehr viele Hausaufgaben aufgeben, sodass wir weder für ein bisschen Freizeit, noch zum Lernen für die Klausuren Zeit haben. Dazu kommt, dass einige Lehrer in der digitalen Welt angekommen sind, und nun auch noch i-Serv zum Abfragen der Hausaufgaben mit geregeltem Abgabetermin nutzen. Hab ich mich also dazu entschieden, anstatt die Hausaufgaben zu machen, eher für die Klausur zu lernen – von der ich drei in der Woche habe und von der die Lehrer erwarten, dass wir für sie lernen -, so kann ich auch erwarten, dass mich der Lehrer zur nächsten Stunde fragt, weshalb ich denn keine Hausaufgabe abgegeben hab. Wie kann man von Schülern verlangen, dass sie jede Hausaufgabe ordentlich erledigen und gleichzeitig für eine gute Klausurnote ordentlich lernen? Abgesehen davon, dass Hausaufgaben wenig sinnvoll sein sollen, sind sie gerade in dieser Situation ein unnötiger Stressfaktor und rauben einen das letzte Stück Freizeit – oder man kassiert Ärger vom Lehrer.
Allgemein fällt besonders während der Corona-Krise bei einigen Lehrkräften die Denke auf, dass sie über den Schülern stehen. So sagen sie zwar, dass sie offen für Kritik seien, bei offener Ansprache von Problemen seitens der SchülerInnen werden aber tatsächlich nur Kleinigkeiten am Unterricht verändert. Sie bevorzugen bestimmte Schüler und lassen ihre Frustration über die derzeitige Situation an dem Kurs aus, obwohl sie oftmals falsche Entscheidungen treffen und das Handeln nicht reflektieren. So werden momentan besonders viele Hausaufgaben aufgegeben, die sie zum Teil am Ende gar nicht korrigieren, getreu dem Motto – Hauptsache etwas aufgeben – sodass besonders die SchülerInnen die keine Zeit zum Erledigen der HAs hatten, besonders hart die Konsequenzen spüren. Überhaupt haben viele SchülerInnen momentan nicht das Gefühl, dass es sich lohnt, etwas für die Schule zu machen. Egal wie man sich anstrengt oder lernt, am Ende bekommt man bei vielen Lehrern immer die gleiche Note.
Dennoch darf auch nicht außer Acht gelassen werden, dass die aktuelle niedersächsische Regierungskoalition aus SPD/CDU und allen voran Kultusminister Hendrik Tonne eine Blockadehaltung zu den Verbesserungsvorschlägen seitens der Betroffenen Parteien (Lehrkräfte, SchülerInnen, Eltern) einnimmt. So haben die landesweite Schülervertretung, die Gewerkschaft der Lehrkräfte (GEW) und Elternvertreter eine gemeinsamen Pressemitteilung herausgegeben in der alle beteiligten Parteien eine Absage aller Prüfungen (bis auf das Abitur und freiwillige Prüfungen) für notwendig halten.
Wir lassen dennoch unsere Köpfe nicht hängen, denn diese Politik zeigt einmal mehr die Notwendigkeit einer handlungsfähigen Schülerinteressenvertretung. Dass bedeutet konkret, dass wir uns umso mehr in unserer regionalen und landesweiten Schülervertretung organisieren müssen, um einen Wandel aktiv voranzubringen. Denn wir möchten unser Lernen und unseren Schulalltag in unserem Interesse gestalten und mitbestimmen!"