Solidarität mit den für Halbgruppen-Unterricht "streikenden" Schülerin…

Solidarität mit den für Halbgruppen-Unterricht "streikenden" Schülerinnen und Schülern!

Seit rund zwei Wochen schon organisieren Schülerinnen und Schüler einer Bremer Oberstufe pandemiegerechten Unterricht kurzerhand selbst. Da Bildungsbehörde und Schulleitung sich weigern, die Klassen in Halbgruppen aufzuteilen und so ausreichende Sicherheitsabstände in den Unterrichtsräumen zu ermöglichen, haben die jungen Leute das selbst in die Hände genommen: Die eine Hälfte nimmt vor Ort am Unterricht teil, die andere arbeitet von zuhause die Aufgaben nach und schaltet sich per Livestream zum Unterricht hinzu. Alle zwei Tage wird gewechselt. Dabei versuchen die Schülerinnen und Schüler auch auf individuelle Gegebenheiten Rücksicht zu nehmen, zum Beispiel wenn jemand zu Hause keinen ausreichenden Internetanschluss hat oder – umgekehrt – nur mit dem überfüllten öffentlichen Nahverkehr zur Schule kommen könnte. "Präsenzstreik" nennen sie das und erfahren auch viel Unterstützung von vielen ihrer Lehrkräfte.

Aber warum ist das überhaupt nötig? Die Bildungsbehörde unter SPD-Senatorin Bogedan sieht Halbgruppen-Unterricht nur vor, wenn es an der entsprechenden Schule schon hohe Fallzahlen von Covid-19-Infektionen gibt oder der allgemeine "Inzidenzwert" für Bremen über 200 liegt – das sprichwörtliche Kind also (schon wieder) in den Brunnen gefallen ist. Hintergrund dürfte sein, dass es der Bildungsbehörde schlicht an Personal mangelt, um Unterricht in Halbgruppen bei auch nur annähernd gleicher Stundenzahl abzudecken. Ein Missstand, auf den die Bildungsgewerkschaft GEW allgemein wie auch in Bezug auf die Pandemie-Situation schon lange hinweist. Die kurze Ruhepause im Sommer wurde von Seiten der Bildungsbehörde offensichtlich auch nicht ausreichend genutzt, um Unterrichtskonzepte für die bereits lange vorhergesagte "zweite Welle" zu entwickeln und die Lehrkräfte entsprechend auf deren Umsetzung vorzubereiten.
Stattdessen wird von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen erwartet, sich mit weniger Abstand als sonst überall unter Strafandrohung gefordert dicht an dicht in die Klassenräume zu setzen. Und dennoch regelmäßig zu frieren, wenn alle paar Minuten die Fenster trotz niedriger, einstelliger Außentemperaturen zum Lüften weit aufgerissen werden müssen.

Nicht nur für das Bildungsressort, sondern für den ganzen Bremer Senat kann es nur heißen: setzen, 6! Schülerinnen und Schüler müssen, genau wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bestmögliche Lern- und Arbeitsbedingungen bei größtmöglichem Infektionsschutz haben! Keinen überfüllten ÖPNV, keine überfüllten Klassenräume, keine überfüllten Werkshallen!