POSITION #6/2017

Es Rettet uns kein höheres Wesen – Thema Religion

Der Ordensgründer Franz von Assisi war es, der in den ersten Krisen der feudalen Herrschaft für Abkehr von der Welt und Vergeistlichung des Lebens eintrat. Es war die große und mächtige Kirche, die gegen Fortschritt, Emanzipation und Aufklärung eintrat – und es sind die großen Kirchen, die diese Generallinie bis heute verfolgen. Mit Papst Franziskus aber, steht da nun einer an der Spitze der katholischen Kirche, der für die Armen eintritt und sagt, „dass es in jedem Fall die Kommunisten sind, die wie die Christen denken. Christus sprach von einer Gesellschaft, in der es die Armen, die Schwachen, die Ausgegrenzten sind, die entscheiden“. Rückt er ab, von der Generallinie des vatikanischen Imperiums? Oder ist sein historischer Namenspatron (Franz-iskus) auch politisches Vorbild? Schließlich soll der argentinische Papst während der Militärdiktatur 1976 bis 83 am Verschwinden von regimekritischen Jesuiten beteiligt gewesen sein und gute Kontakte zur Militräführung gepflegt haben. Oder stimmt es, was er sagt, dass er nur den Orden vor der Junta geschützt hätte? Und kann man überhaupt die Verbrechen und Fehler der großen Kirchen mit dem Glauben und den Handlungen der einzelnen Gläubigen gleichsetzen? Zum Ende des „Reformationsjahrs“ 2017, indem man dem Gejubel um Religion und den Thesen des Martin Luthers nicht entkommen konnte – den, den Friedrich Engels als „Knecht“ der Fürstenherrschaft bezeichnete – wollen wir uns also mit der Thema Glauben beschäftigen: Was ist das eigentlich, dieses „Opium des Volkes“, wie Marx es nannte?

Euer Zeitungskollektiv

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