Nach dem Ende der Geschichte

Warum eine multipolare Weltordnung und eine friedliche Welt nicht das Gleiche sind

Je kürzer die Tage werden, desto häufiger finden sich in Presse, Rundfunk und Fernsehen Jahresrückblicke. Dabei stehen immer wieder Journalisten kopfschüttelnd vor den Trümmerhaufen der inzwischen 35 Kriege weltweit und versuchen, sich und ihrem Publikum zu erklären, warum die Welt seit fast drei Jahrzehnten immer schneller immer kriegerischer wird, wo doch mit dem Ende des Kalten Krieges endlich alles so friedlich zugehen sollte. Von manchen wird die dominante Rolle der USA als einzig verbliebener Weltmacht ursächlich benannt, manch andere bemühen den schlechten Charakter der Menschheit im Allgemeinen und mancher Menschen, von Drumpf über Erdogan bis Putin, im Besonderen. Und es gibt selbst solche, die treuherzig in die Kamera blicken, resigniert den Kopf schütteln und zu Protokoll geben, für all das gäbe es irgendwie einfach keine rationale Erklärung. Dabei liegt die Ursache von Krieg klar im Profitstreben der herrschenden Klasse imperialistischer Staaten begründet. Es ist die nach außen gerichtete Aggressivität, mit deren Hilfe die gemeinsamen Interessen der herrschenden Klasse einer Nation weltweit notfalls auch mit kriegerischen Mitteln durchgesetzt werden sollen und können, die kapitalistische Staaten in ihrem imperialistischen Stadium auszeichen. Das geht mit einer sich verschärfenden Repression und Militarisierung im Inneren einher.

Gegenmacht zu den USA?

Nun gibt es nicht wenige Menschen, die sich die Welt, wie sie gerade ist, betrachten und zu dem durchaus richtigen Schluss kommen, dass es zwischen der Konterrevolution in der Sowjetunion und den Staaten des Warschauer Vertrags einerseits und der weltweiten Zunahme kriegerischer Konflikte andererseits einen Zusammenhang gibt. Daraus die alleinige Schlussfolgerung zu ziehen, den USA als einzig verbliebener Supermacht müsse nur wieder ein Gegenpol entgegengesetzt werden, egal welcher Art, und die Welt würde dadurch automatisch friedvoller, ist jedoch falsch. Nicht allein, dass den USA etwas in ihrem nationalen, imperialistischen Bestreben entgegen gesetzt wurde war entscheidend, um Jahrzehnte lang kriegerische Aggressionen zurückdrängen und eindämmen zu können, sondern auch, dass dies vor allem durch die sozialistische Sowjetunion passierte.

Das Problem heißt Imperialismus

Sich auf die Hoffnung zu verlassen, eine Abkehr von der unipolaren, USA-dominierten Weltpolitik hin zu einer nicht näher definierten Multipolarität würde die imperialistischen Einzelinteressen der potenziell beteiligten Staaten zügeln ist fadenscheinig, trügerisch und unzulässig. Letztendlich streiten sich in der Folge einfach nur mehr Beteiligte um den gleichen Kuchen.

Bereits aus dieser Tatsache ohne nähere Analyse der Akteure auf steigende Friedenschancen zu hoffen, birgt die Gefahr in sich, die Aggressivität anderer imperialitischer Staaten und ihr Streben nach Macht- und Einflussspären, Absatzmärkten und Rohstoffen, kurz nach mehr „Verantwortung“ weltweit, besonders des deutschen Imperialismus, zu relativieren. Das heißt jedoch nicht, dass es nicht im Interesse und der Notwendigkeit sich in Gegnerschaft zum US-Imperialismus befindender Staaten sein kann, sich temporäre Verbündete zu suchen, um sich gegen Agressionen zu behaupten oder ihre nationale Souveränität zu verteidigen.

Tatjana, Rostock