Der Offene Brief an Anja Delastik (Cosmopolitan)

Post von der SDAJ

Liebe Anja,

Du bist Herausgeberin der „Cosmopolitan“, der weltweit erfolgreichsten Frauenzeitschrift. Als Teil der Bauer-Mediengruppe erscheint sie gemeinsam mit „Bravo“ und „Bravo Girl“. Deine Zielgruppe sind berufstätige Frauen, die sich die im Heft beworbenen Designer-Sofakissen für 900 € leisten können. Die Cosmopolitan gibt sich gern einen feministischen Anstrich. Dein Magazin beschränkt sich allerdings oft darauf Klischees zu pflegen. So wird in der Rubrik „Manthrophologie“ gefragt, warum „die Männer“ nicht an Horoskope glauben (erschienen in der Januarausgabe mit dem großen Jahreshoroskop inklusive der „sexbombigen Tage“ für jedes Sternzeichen) und die Antwort lässt sich mit „Männer können halt rational denken“ ganz gut zusammenfassen. In eine ähnliche Richtung zielen so großartige Tipps an Frauen wie in ihre Alltagsgeschichten Fußballanspielungen zu packen, damit Männer ihnen endlich zuhören. Funktionieren soll ja auch, etwas zweideutiges zu sagen, weil alle Männer notgeile Höhlenmenschen sind, die einem dann plötzlich Aufmerksamkeit schenken.

Gruselig wird dein Magazin, wenn ihr euch in Politik versucht. Neben klaren Statements für die Union, weil es so schön und ein Wert für sich ist, dass mit Angela Merkel eine Frau Kanzlerin ist, erklärst du Frauen, warum es so wichtig ist wählen zu gehen unter anderem mit dem Satz. „Das ist eine Riesensache! Sie üben damit die größte Macht aus, die Sie als Staatsbürgerin haben!“ Um fair zu bleiben: dass sich die Demokratie im Kapitalismus darauf reduzieren lässt, das Wahlvolk alle vier Jahre ein paar Kreuzchen machen zu lassen, ist streng genommen nicht deine Schuld. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass die herrschende Klasse (männliche wie weibliche Vertreter) von einer Spaltung der durch sie Ausgebeuteten (Frauen wie Männer) profitiert. Diese Spaltung treibt dein Magazin aber auch noch aktiv mit voran. Zum ernsthaften Problem wird das, wenn Menschen sich in der Folge zuerst überlegen, welches Geschlecht der Kollege oder die Kollegin neben ihnen hat und erst danach, ob es gemeinsame Interessen im Kampf um bessere Lebensverhältnisse gibt. In der letzte Ausgabe steht unter den „Fünf Gründen, warum es gerade jetzt so wichtig ist wählen zu gehen“ an prominenter Stelle ernsthaft die Ansage: „Keine Macht den Dummen: Wer nicht zur Wahl geht überlässt die Entscheidung Anderen – im schlimmsten Fall jungen, sozial abgehängten Männern!“.

Das Traurige ist, dass du offenkundig nicht erkennst welchen Zusammenhang es zwischen den Frauenbildern, die du transportierst und dem Erstarken einer frauenfeindlichen Partei wie der AfD gibt. Klar, die Cosmopolitan ist nicht die AfD. Aber wenn dir von klein auf erzählt wird, dass du vor allem hübsch auszusehen und erfolgreich zu sein hast, dich dabei aber maximal gegen blöde KOLLEGEN (richtig, nicht gegen den Chef) wehren darfst, wie hoch ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass du dich gegen reaktionäre, frauenfeindliche Politik wehrst, wenn es darauf ankommt? Wer sich in Sachen Frauenrecht und echter Emazipation darauf beschränkt dein Magazin zu lesen, der darf sich nicht wundern, wenn das Kreuzchen-Machen am Wahltag der Gipfel der demokratischen Partizipation von Frauen bleibt.

Eva, Nürnberg & Tatjana, Rostock