Gastronomie: Keine guten Aussichten

Foto by Skånska Matupplevelser (CC BY-ND 2.0)
Foto by Skånska Matupplevelser (CC BY-ND 2.0)

Johannes B.* aus Hamburg berichtet von seiner Ausbildung in der Gastronomie:

„Meine Ausbildung zum Koch begann in dem kleinen Landgasthof „Wolfskrug“ in Klein-Wittensee in Schleswig-Holstein. Ich hatte nur einen Tag am Wochenende frei und musste teilweise im Garten meines cholerischen Chefs arbeiten! Nach ein paar Wochen Arbeit erhielt ich eine unbegründete Kündigung. Ich bin dann zum Gesundheitskonzern Helios gewechselt, wo ich meine Ausbildung in einem Restaurant in einem Wellness- und Gesundheitspark fortsetzen konnte. Die Ausbildungsqualität war hier zwar etwas besser, aber unzählige Überstunden, ein rauer, zum Teil rassistischer und sexistischer Umgangston und Beleidigungen blieben mir trotzdem nicht erspart. Es dauerte nicht lang, bis ich allein ohne Anleitung in der Küche stand, teilweise bis zu 14 Stunden am Tag! Weil ich eine billige Arbeitskraft mit nur 360 € Vergütung im Monat war, versuchte mein Chef, meine Ausbildungsverkürzung auf 2,5 Jahre zu verhindern. Dagegen setzte ich mich mit Hilfe des Betriebsrates durch. Aber auch nach der Ausbildung mit einem Junggesellenlohn von ca. 900 € netto, bei einer 40-50 Stundenwoche, sind die Aussichten nicht gerade rosig – und die Bedingungen in der Gastronomie sind eigentlich überall scheiße.“
*Name auf Wunsch des Autors von der Redaktion geändert